Kategorie-Archiv: Marokko

El Ouatia – Guergarat, 2.7. – 6.7.15

Von El Ouatia gehts ab durch die Wüste. Gleich am ersten Tag fahren wir an ersten Sanddünen und schönen Lagunen vorbei und sehen Kamele. Unterkunft finden wir bei Mohammed in seiner Strassenräumstation (mit seinem Radlader befreit er die Strasse vom Sand.) Wir verständigen uns mit Händen und Füssen und es wird ein netter Abend. Wir essen gemeinsam zu Abend (Milchbrei, Datteln und Brot von Mohammed, Kekse und Früchte von uns) und trinken Tee.

Von Tarfaya nehmen wir den Bus nach Layoune, wo wir am Abend einen weiteren Bus nach Dakhla nehmen. Da ja wie bereits bekannt keine Cafes offen habe (Ramadan), legen wir uns in einem Park ins Gras (!) bis wir verscheucht werden und verbringen den Rest des Tages auf dem Gehsteig im Schatten sitzend. Am späten Nachmittag öffnen dann die ersten Cafes. Gegen 21:00 machen wir uns auf zum Busbahnhof, der Bus fährt ja um 21:45 und das Gepäck muss noch aufgegeben werden. Es ist ein totales Gewussel und es hat viele (aufdringliche) bettelnde Kinder. Als unser Bus dann kurz nach 23:00 kommt, sind wir froh, dass das Einladen der Velos gut funktioniert. Wir machen es uns in einem halbvollen Bus für die Nacht gemütlich und werden „nur“ 6x geweckt, da die Polizisten an den Kontrollposten unsere Pässe sehen wollen. Am Morgen kommen wir in Dakhla an und werden von starkem Wind begrüsst, der uns den ganzen Abfall um die Füsse weht. Wir quartieren uns im netten Hotel Bouloutard ein und bleiben zwei Tage.
Erneut mit dem Bus gehts ab zur Grenze nach Guerguerat. Der Bus fährt erst um 21:00, so dass wir dann morgens um 3:00 – nach einer äusserst rasanten Fahrt – direkt vor dem Grenztor den Bus verlassen. Wir finden im Hotel Borders ein Plätzchen in einem Mehrbettzimmer für den Rest der Nacht.

 

 

Marrakech – El Ouatia, 24.6. – 1.7.5

Nach den Tagen in Marrakesch freuen wir uns wieder auf unseren Fahralltag. Mit Campingplätzen oder ähnlichem ist nun bis Agadir nicht mehr zu rechnen, so dass wir schon für die erste Nacht nach Marrakesch bei einem Bauernhof um einen Zeltplatz anfragen. Nach dem wir vom Besitzer gründlich ausgefragt wurden, gibt er uns ein Zimmer im Angestelltenhaus. Zwei Arbeiter wohnen ebenfalls da. Sie sind sehr freundlich und bringen uns nach dem Abendessen einen feinen Banane-Shake zum Dessert.


Die nächsten zwei Tage bis nach Agadir führen uns in bergige Regionen. Wir wählten bewusst eine Route, die das Atlas-Gebirge nur streift, so müssen wir nur auf 1320 m.ü.M. hinauf. Es sind wunderschöne Tage in roten Berglandschaften. Die Gegend ist nur dünn besiedelt. Wir sehen viele Schaf- und Ziegenhirten mit ihren Herden. Wir finden Unterschlupf bei einem der weingen Häuser auf der Strecke. Es scheint ein Frauenhaushalt zu sein. Eine der jüngeren Frauen spricht ein wenig französisch – gerade so viel, dass wir unser Anliegen verständlich machen können. Sie sagt sofort ja und wir stellen unser Zelt hinterm Haus auf. Schade, dass von Livias Arabischkurs vor von 10 (?) Jahren nicht mehr viel hängen geblieben ist, wir hätten uns gerne etwas mehr mit den Frauen unterhalten. In den ländlichen Gegenden wird immer weniger französich gesprochen.


Von Agadir gehts weiter nach Tiznit und dann immer weiter Richtung Westsahara. Kurz nach Tiznit beschliessen wir, eine Bus zu nehmen. Wir machen das auf die afrikanische Art: wir warten am Strassenrand bis ein Bus in Sicht kommt und winken. Nach nur 5 min. haben wir Erfolg. Wir können die Velos unten einladen und bis nach Guelmim (ca. 90 km) mitfahren. Als wir in Guelmim ankommen ist es erst später Vormittag. So beschliessen wir, es gleich nochmals zu versuchen da ja alles wunderbar unkompliziert geklappt hat. Wir wollen heute noch bis Tantan (ca. 120 km) kommen. Wir warten etwas länger bis ein Bus anhält, der noch Platz für uns und unsere Velos hat. Um die Velos unten in den Gepäcksraum zu bekommen, muss ziemlich gequetscht werden und die Velos passen nur liegend hinein. Es ist uns nicht ganz wohl dabei und wir hoffen, dass unsere Velos die Fahrt heil überstehen…. als wir dann merken, dass unser Fahrer eher einen rauhen Fahrstil hat, befürchten wir das Schlimmste … Die Landschaft wird flächer und karg. Man fühlt sich bereits hier ziemlich im Niemandsland und bis zur Mauretanischen Grenze sind es noch immer 1250 km – wahnsinnig, diese Distanzen!

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In Tantan angekommen, bewahrheiten sich unsere Befürchtungen: bei Meios Velo sind bei der hinteren Felge Speichen ausgerissen. Was wohl nicht nur an der Busfahrt liegt, sondern auch daran, dass der Velomechaniker in Marrakesch die Speichen zu fest angezogen hat, denn auch bei Livias Velo sind an der hinteren Felge Haarrisse beim Speichenloch zu finden. Das werden wir dann wohl in Zukunft besser selbst machen.
Zum Glück sind Velos in Tantan sehr verbreitet und es hat einige Velowerkstätten. Bei der dritten Werkstatt treffen wir auf einen Mechaniker, der sich für unser Problem interessiert. Wir verbringen den ganzen Nachmittag dort bis Meio schliesslich wieder ein fahrtüchtiges Velo hat (ohne Vorderbremse…) . Es ist ein Kommen und Gehen und auch Bekannte des Mechanikers helfen mit. Trotz der Sprachbarrieren wird gescherzt und gelacht. Müde suchen wir uns ein Hotelzimmer. Beim einchecken werden wir einmal mehr gefragt, ob wir verheiratet sind. Wir behaupten wir seien es und zeigen ihm unsere Fake-Eheringe, die wir uns in Agadir gekauft haben um glaubhafter versichern zu können, dass wir verheiratet sind. Es wurde uns in der Vergangenheit nicht immer geglaubt. Dieser Mann an der Rezeption will aber noch mehr und verlangt eine Heiratsurkunde. Ohne diese will er uns nicht in ein Doppelzimmer lassen. Wir erklären ihm, dass es für uns nicht üblich ist, mit Heiratsurkunde zu verreisen und weisen ihn nochmals auf die Ringe hin. Er kämpft mit sich und gibt schliesslich nach – wir dürfen gemeinsam in ein Zimmer. Es muss wohl auch noch eine Fake-Heiratsurkunde her 🙂

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Tarifa – Marrakech, 10.6. – 22.6.15

Mit der Fähre gehts von Tarifa nach Tanger. Die Überfahrt dauert nur ca. 35 min und es klappt alles problemlos. Den Einreisestempel für Marokko gibts auf der Fähre, so dass wir nach dem Anlegen gleich losradeln können. Wir stürzen uns ins Verkehrschaos von Tanger und sind froh, als wir nach Sim-Karte organisieren und Geld abheben die Stadt hinter uns lassen. Wir fahren weiter bis nach Asilah und gönnen uns dort auf einem Campingplatz für 6 CHF pro Nacht einen Tag „Akulturisierungs-Zeit“. Asilah ist ein nettes Städtchen und wir schlendern gerne duch das Durcheinander in den Gässchen. Wir sind in einer anderen Welt: Esel- und Pferdekarren überall, die Menschen tragen Djellabas (lange Gewänder mit spitzen Kapuzen) und der Gesang des Muezzin ist über den Dächen zu hören.

Die Weiterfahrt Richtung Rabat führt uns vorbei an (Erdbeer-)Feldern, die oft noch per Hand bearbeitet werden, und durch winzige Dörfchen. Dort machen wir dann Bekanntschaft mit aufdringlichen und teils aggressiven Kindergruppen, die angerannt kommen, uns den Weg versperren und an unseren Velotaschen zerren. Sie wollen Kugelschreiben, Süssigkeiten oder Geld. Das wiederholt sich an einem Tag mehrere Male, so dass wir beschliessen die letzte Tageskilometer auf der Autobahn zurückzulegen, zumal auch die Strasse durch die Dörfer zunehmend schlechter und sandiger wurde. Als wir nach einigen Kilometern Fahrt auf dem grosszügigen Pannenstreifen der Autobahn eine kleine Siesta einlegen, hält ein Pannenfahrzeug neben uns. Ein Mann steigt aus und erklärt uns, dass es verboten und gefährlich ist, auf der Autobahn Velo zu fahren. (Das ist uns bewusst, in dem Moment aber das kleinere Übel). Er will uns nicht alleine weiterfahren lassen und es endet damit, dass er uns die nächsten 10 km bis zur nächsten Ausfahrt (die wir ohnehin hätten nehmen müssen) eskortiert. Mit allem an Warnblickern, das er hat fährt er hinter uns her und schleust uns zudem an einer Mautstelle vorbei.

In Rabat müssen wir uns das Visum für Mauretanien besorgen. Wir sind gespannt und etwas nervös, wie das laufen wird. Um 7:30 sind wir bereits vor Ort und bis zur Öffnung um 8:00 kommen neben uns nur noch zwei weiter Personen. Man merkt wohl, dass nicht Hauptsaison ist – wer fährt schon im Juni duch die Wüste 🙂 Ganz anders sieht es bei der Deutschen Botschaft aus: bereits um 7:30 hat sich dort eine Schlange von ca. 80 Menschen gebildet. Die Beantragung der Visa verläuft reibungslos und bereits am gleichen Nachmittag können wir unsere Pässe wieder abholen. Wir freuen uns und der Herr am Schalter mit uns: strahlend überreicht er uns unsere Pässe und wünscht uns eine gute Reise.

Wir radeln weiter nach Casablanca und nehmen dann den Bus nach Marrakech, da wir dort ja bald Besuch erwarten. 🙂 Wir wühlen uns durch die Gassen Marrakechs auf der Suche nach dem Hotel, das wir vorab im Internet rausgesucht hatten. Nach dreimaligem Fragen und drei Antworten, die sich nur in Bruchstücken deckten, gaben wir auf. Ein junger Mann bot seine Hilfe an (gratis) und wir landeten in einem tollen Hostel (Hostel Beautiful Dreams) in dem wir wohl sonst nie abgestiegen wären, da es von aussen absolut nach nichts aussah. Im Inneren öffnete sich aber ein toller Hof, es hatte eine Dachterrasse und der ältere Mann, der das Hostel führt, ist ausgesprochen freundlich. Nach dem wir uns eingerichtet hatten, machten wir uns auf, die Gegend zu erkunden – ohne auf der Karte zu schauen, wo wir nun genau gelandet waren. So hätten wir doch fast eines von Marrakechs Highlights nicht erkannt, als wir drauf standen: D´jemma el Fna. (nachmittags aber auch wirklich eher unscheinbar … :)) Wir realisierten, dass unser Hostel wirklich Toplage hatte, denn es war gleich um die Ecke 🙂 Am Abend kehrten wir dann zum Platz zurück und es war deutlich mehr los. Meio wagte sich an kulinarische Abenteuer: er kostete Schnecken und Schafskopf (und diverse andere Schafsteile…) Ich blieb bei Poulet- und Gemüsespiessen mit Couscous 🙂

Seit dem 18. Juni ist Ramadan. Auf den Strasse wird nicht gegessen, getrunken und geraucht. Einzig das Auspülen des Mundes mit Wasser ist erlaubt. Da die Temperaturen relativ hoch sind, wird das öfter mal gemacht. Auch wir halten uns daran und essen und trinken nur im Hostel oder in Restaurants. Mal sehen wies dann wird, wenn wir weiterradeln. Wir sehen viele Leute vor den Moscheen beten. Die Geschäfte schliessen oft tagsüber für einige Zeit, da die Besitzer beim Beten sind. Gegen Abend, wenn das Fasten bald gebrochen wird, sehen wir, wie die Leute sich waschen und überall bereits das Essen (oft Brot, Milch und Datteln) bereitsteht. Wenn dann der Muezzin um ca. 19:45 mit seinem Gesang beginnt, wird es kurz etwas ruhiger auf dem Marktplatz, da alle Händler selbst mit Essen beschäftigt sind.

Bald durften wir unseren Besuch von zu Hause in Empfang nehmen: Sophie (Meios Oma) und Camilla, ein Freundin von ihr, verbingen vier schöne Tage mit uns. Dazu wechseln wir in eine Hotelanlage etwas ausserhalb der Stadt und lassen es uns nochmals gut gehen, bevor wir dann Richtung Wüste aufbrechen und das Abenteuer richtig los geht.