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23 Chipata – Livingstone, 14.10. – 1.11.15

Grenzübertritte mit dem Velo sind immer etwas Schönes, vorallem wenn immer alles so angenehm läuft wie bei uns. 🙂 Der Genzbeamte beim Einreiseschalter macht sich kurz etwas Sorgen, als ich ihm auf seine Nachfrage sage, dass wir bis nach Botswana radeln wollen. Es sei ein langer Weg, ob wir auch gut vorbereitet seien? Ich beruhige ihn und weise ihn darauf hin, dass wir auch schon einen langen Weg hinter uns haben. Mit einem Blick in unsere Pässe, die ja doch mittlerweile einige Stempel vorweisen können, lacht er und meint, dann sei dass ja kein Problem 🙂 So sind die Formalitäten schnell erledigt. Wir erhalten für 50 USD unser Visum, leider aber nur für einen Monat. DasVisum kann aber (angeblich gratis) in einem Immigration Office, die sich in mehrere grösseren Ortschaften befinden, verlängert werden. Nun ja, mal schauen wie dass dann läuft, falls wir Verlängern wollen/müssen.

Die Strasse nach Chipata hinein ist nagelneu, so gleiten wir die letzten 40 km bis zum Mama Rulas Campingplatz nur so dahin – zum Glück, es war ein langer Tag! Es kommt uns ganz unwirklich vor, dass wir heute morgen noch in Lilongwe waren. 🙂

 

 

Als ich schon im Schlafsack liege und Meio seine „Gute-Nacht-Zigarette“ raucht, traut er seinen Augen kaum, als zwei Velofahrende auf dem Campingplatz eintreffen. Es gibt sie also doch noch, die anderen Tourenradler 🙂 George und Penny aus Südafrika sind nach Tansania unterwegs. Von den beiden erfahren wir, dass die Strasse nach Lusaka neu gebaut wird – d.h. Baustelle auf fast 300 km! Was kilometerlange Umfahrungen auf Sand- und schlechten Schotterpisten bedeutet. Also (fast) nicht passierbar für Velofahrenden. Sie haben sich von einem Pickup mitnehmen lassen. Oje, schade, wo wir doch gerade so im Radler-Modus sind… wir wollen uns das aber trotzdem nicht antun und werden uns wohl um eine Mitfahrgelegenheit bis nach Lusaka kümmern. In Lusaka wollen wir dann ein Auto mieten und von dort den Kafue National Park besuchen.

 
Nach einem Tag Pause stehen wir nun also wieder einmal mit unseren Velos am Strassenrand und warten auf eine geeignete Mitfahrgelegenheit. Wir erwischen einen Postbus, der bis nach Lusaka fährt. Die Velos können gut verladen werden und auch wir haben noch Platz – denn der Bus ist leer! Mal was ganz Neues. 🙂 Wir machen es uns gemütlich und tuckern dahin. Einige Leute steigen noch zu und wir müssen immer mal wieder in die Ortschaften rein fahren um bei den Poststellen die Briefe abzuholen. Am frühen Nachmittag fängt dann der Bus ungewöhnlich stark an zu hüpfen – die Luftfederung funktioniert nicht mehr. Wir halten also an und die Männer kriechen unter den Bus. Auch Meio hilft tatkräftig mit und nach einer guten Stunde ist das Problem behoben. Wir fahren weiter und kommen nach 12 Stunden Fahrt (für eine Strecke von 560 km) um halb sieben in Lusaka an. Es ist bereits dunkel und wir hatten uns vorher im Bus schon überlegt, dass wir am besten gleich heute Abend noch zum Flughafen radeln und das Auto mieten. Der Buschauffeur lässt uns netterweise etwas ausserhalb des Stadtzentrums aussteigen, so dass wir „nur“ 11 km zum Flughafen radeln müssen – das erscheint uns aber immer noch angenehmer als mitten in der Stadt im Dunkeln eine Unterkunft suchen zu müssen. Nach einer knappen halben Stunde kommen wir heil am Flughafen an. Wir haben Glück, Avis hat den Schalter gerade noch geöffnet 🙂 Wir werden sehr herzlich begrüsst und keine halbe Stunde später sind wir bereits dabei die Velos auf „unseren“ Nissan Pickup zu laden. Wir fahren auf einen nahgelegenen Campingplatz, wo wir uns für diese Nacht einquartieren. Sogar die Unterbringung für die Velos auf dem Campingplatz während unseres Ausflugs in den Kafue können wir noch am selben Abend regeln. Das klappt ja alles wunderbar! 🙂

 
Bevors in den Kafue National Park geht, fahren wir nach Lusaka rein um uns mit Wasser und Essen für die nächsten Tage einzudecken. Lusaka wirkt sehr südafrikanisch mit all seinen grosse Shopping Centern, wo von Woolworth, Pick’n’Pay über Steers und HungryLion alle bekannten Supermärkte und Fast-Food-Restis vertreten sind.

 
Dann geht’s ab in die Einsamkeit des Kafue National Parks. Wir verbringen vier Tage im Park und begegnen fast keinen anderen Touristen, aber leider auch fast keinen Tieren. Die Landschaft ist sehr schön und die Campingplätze sind einfache Bush Camps ohne Zäune oder ähnliches. Man schläft also mitten im Park. In einer Nacht hören wir dann auch Hippos, einen Elefanten und einen Löwen ziemlich nah am Zelt. Am nächsten Morgen sind dann aber von den nächtlichen Diskussionen, die die drei wohl miteinander hatten, keine Spuren mehr zu sehen.

Nach fünf Tagen Auto haben wir schon wieder genug von der Fahrerei und geben das Auto viel früher zurück, als geplant. Zum Glück ist Avis so kulant und verrechnet uns dann auch nur diese Tage und nicht die ganzen neun, die wir es eigentlich reserviert hatten. Auf dem Velo ist‘s halt doch am schönsten 😉

Von Lusaka radeln wir in dann wieder in südliche Richtung – wir nähern uns bekanntem Gebiet 🙂 Bis nach Livingstone sind es noch fast 500 km. Am ersten Tag wollen wir es gleich wissen und erhöhen unseren Tagesstreckenrekord auf 178 km … denn da hat es einen Campingplatz 😉 Nach neun Stunden auf dem Velo kommen wir ziemlich groggy auf dem Moorings Camp an. Wir brauchen einen Moment um an- und runter zu kommen und merken dann, dass das für unserer Körper wohl doch etwas zu viel war, da Meio mit Übelkeit zu kämpfen hat. Nach einem Tag Pause sind wir aber wieder mehr oder weniger fit und radeln weiter.

Die Landschaft ist geprägt von weiten baumbewachsenen Ebenen und sanften Hügeln. Es ist merklich weniger dicht bevölkert als Malawi und wir haben immer mal wieder längere Abschnitte ohne Ortschaften. Wir geniessen die Ruhe. Die Menschen sind sehr freundlich. „Give-me“-Rufe hören wir kein einziges Mal. Oft sind wir bereits mittags um die 100 km geradelt, so dass wir die Nachmittage zum Entspannen und Entdecken nutzen – je nach dem wo wir übernachten. 🙂 Es hat wieder mehr touristische Infrastruktur, so dass wir doch hie und da einen Campingplatz finden. Sonst übernachten wir auch gerne mal in einem einfachen Guesthouse, in dem normalerweise eher Einheimische absteigen. So z.B. in der kleinen Stadt Zimba im „Zimba Guesthouse“. Das Zimmer ohne WC/Dusche kostet hier CHF 1.50, wir gönnen uns aber den Luxus eines eigenen Bades und müssen dafür etwas tiefer in die Tasche greifen: CHF 7.50 will der nette Besitzer dafür haben. 🙂 Wir plaudern etwas mit anderen Gästen. Offenbar hat Zimba ein gutes Krankenhaus, da wir gleich von mehreren Leuten hören, dass sie wegen eines Arztbesuches hier sind. Wir geniessen es, in Ruhe durch die total untouristische Ortschaft zu schlendern und in einem der ca. 6 kleine Restaurants, die alle Nsima (Maisbrei) mit Chicken, Beef oder Wurst anbieten, zu Mittag zu essen.

Nach fünf Tagen kommen wir in Livingstone an und machen hier ein paar Tage Pause.