Archiv für den Monat: Juni 2015

Tarifa – Marrakech, 10.6. – 22.6.15

Mit der Fähre gehts von Tarifa nach Tanger. Die Überfahrt dauert nur ca. 35 min und es klappt alles problemlos. Den Einreisestempel für Marokko gibts auf der Fähre, so dass wir nach dem Anlegen gleich losradeln können. Wir stürzen uns ins Verkehrschaos von Tanger und sind froh, als wir nach Sim-Karte organisieren und Geld abheben die Stadt hinter uns lassen. Wir fahren weiter bis nach Asilah und gönnen uns dort auf einem Campingplatz für 6 CHF pro Nacht einen Tag „Akulturisierungs-Zeit“. Asilah ist ein nettes Städtchen und wir schlendern gerne duch das Durcheinander in den Gässchen. Wir sind in einer anderen Welt: Esel- und Pferdekarren überall, die Menschen tragen Djellabas (lange Gewänder mit spitzen Kapuzen) und der Gesang des Muezzin ist über den Dächen zu hören.

Die Weiterfahrt Richtung Rabat führt uns vorbei an (Erdbeer-)Feldern, die oft noch per Hand bearbeitet werden, und durch winzige Dörfchen. Dort machen wir dann Bekanntschaft mit aufdringlichen und teils aggressiven Kindergruppen, die angerannt kommen, uns den Weg versperren und an unseren Velotaschen zerren. Sie wollen Kugelschreiben, Süssigkeiten oder Geld. Das wiederholt sich an einem Tag mehrere Male, so dass wir beschliessen die letzte Tageskilometer auf der Autobahn zurückzulegen, zumal auch die Strasse durch die Dörfer zunehmend schlechter und sandiger wurde. Als wir nach einigen Kilometern Fahrt auf dem grosszügigen Pannenstreifen der Autobahn eine kleine Siesta einlegen, hält ein Pannenfahrzeug neben uns. Ein Mann steigt aus und erklärt uns, dass es verboten und gefährlich ist, auf der Autobahn Velo zu fahren. (Das ist uns bewusst, in dem Moment aber das kleinere Übel). Er will uns nicht alleine weiterfahren lassen und es endet damit, dass er uns die nächsten 10 km bis zur nächsten Ausfahrt (die wir ohnehin hätten nehmen müssen) eskortiert. Mit allem an Warnblickern, das er hat fährt er hinter uns her und schleust uns zudem an einer Mautstelle vorbei.

In Rabat müssen wir uns das Visum für Mauretanien besorgen. Wir sind gespannt und etwas nervös, wie das laufen wird. Um 7:30 sind wir bereits vor Ort und bis zur Öffnung um 8:00 kommen neben uns nur noch zwei weiter Personen. Man merkt wohl, dass nicht Hauptsaison ist – wer fährt schon im Juni duch die Wüste 🙂 Ganz anders sieht es bei der Deutschen Botschaft aus: bereits um 7:30 hat sich dort eine Schlange von ca. 80 Menschen gebildet. Die Beantragung der Visa verläuft reibungslos und bereits am gleichen Nachmittag können wir unsere Pässe wieder abholen. Wir freuen uns und der Herr am Schalter mit uns: strahlend überreicht er uns unsere Pässe und wünscht uns eine gute Reise.

Wir radeln weiter nach Casablanca und nehmen dann den Bus nach Marrakech, da wir dort ja bald Besuch erwarten. 🙂 Wir wühlen uns durch die Gassen Marrakechs auf der Suche nach dem Hotel, das wir vorab im Internet rausgesucht hatten. Nach dreimaligem Fragen und drei Antworten, die sich nur in Bruchstücken deckten, gaben wir auf. Ein junger Mann bot seine Hilfe an (gratis) und wir landeten in einem tollen Hostel (Hostel Beautiful Dreams) in dem wir wohl sonst nie abgestiegen wären, da es von aussen absolut nach nichts aussah. Im Inneren öffnete sich aber ein toller Hof, es hatte eine Dachterrasse und der ältere Mann, der das Hostel führt, ist ausgesprochen freundlich. Nach dem wir uns eingerichtet hatten, machten wir uns auf, die Gegend zu erkunden – ohne auf der Karte zu schauen, wo wir nun genau gelandet waren. So hätten wir doch fast eines von Marrakechs Highlights nicht erkannt, als wir drauf standen: D´jemma el Fna. (nachmittags aber auch wirklich eher unscheinbar … :)) Wir realisierten, dass unser Hostel wirklich Toplage hatte, denn es war gleich um die Ecke 🙂 Am Abend kehrten wir dann zum Platz zurück und es war deutlich mehr los. Meio wagte sich an kulinarische Abenteuer: er kostete Schnecken und Schafskopf (und diverse andere Schafsteile…) Ich blieb bei Poulet- und Gemüsespiessen mit Couscous 🙂

Seit dem 18. Juni ist Ramadan. Auf den Strasse wird nicht gegessen, getrunken und geraucht. Einzig das Auspülen des Mundes mit Wasser ist erlaubt. Da die Temperaturen relativ hoch sind, wird das öfter mal gemacht. Auch wir halten uns daran und essen und trinken nur im Hostel oder in Restaurants. Mal sehen wies dann wird, wenn wir weiterradeln. Wir sehen viele Leute vor den Moscheen beten. Die Geschäfte schliessen oft tagsüber für einige Zeit, da die Besitzer beim Beten sind. Gegen Abend, wenn das Fasten bald gebrochen wird, sehen wir, wie die Leute sich waschen und überall bereits das Essen (oft Brot, Milch und Datteln) bereitsteht. Wenn dann der Muezzin um ca. 19:45 mit seinem Gesang beginnt, wird es kurz etwas ruhiger auf dem Marktplatz, da alle Händler selbst mit Essen beschäftigt sind.

Bald durften wir unseren Besuch von zu Hause in Empfang nehmen: Sophie (Meios Oma) und Camilla, ein Freundin von ihr, verbingen vier schöne Tage mit uns. Dazu wechseln wir in eine Hotelanlage etwas ausserhalb der Stadt und lassen es uns nochmals gut gehen, bevor wir dann Richtung Wüste aufbrechen und das Abenteuer richtig los geht.

El Mareny de Barraquetes – Tarifa, 16.5. – 7.6.15

Wir haben mit unserem Material zu kämpfen: Meios Pedallager ist bereits hin, Livias Veloständer ist abgebrochen, unser Solarpanel hat den Geist aufgegeben und der Bildschirm des Tablets ist gebrochen. Die ersten beiden Defekte lassen sich unkompliziert hier vor Ort regeln, zumal Livias Veloständer direkt vor einem Veloshop abbricht. 🙂 Auf das Solarpanel wolllen wir nicht verzichten und etwa vergleichbares ist hier in Spanien nicht zu finden, daher beschliessen wir, uns ein neues schicken zu lassen. Wir lassen es uns auf einen Campingplatz in Aguilas schicken, wo wir einige Tage später sein werden. Auf dem Weg nach Aguilas machen wir Bekanntschaft mit anderen Fernradlern. Unter anderem mit Tyson aus San Diego, der auch nach Afrika unterwegs ist und den Kontinet gar umrunden will.Radlerkollege Tyson aus San Diego fährt auch nach Afrika
Ansonsten führt uns der Weg durch schöne, hügelige Landschaften, die zunehmend trockener werden. Morgens sehen wir oft Hasen und hie und da auch mal eine Schlange, die sich am Strassenrand aufwärmt.


In Aguilas warten wir bis das Päckli kommt und vertreiben uns die Zeit mit baden und schnorcheln in den zahlreichen schönen Buchten in der Gegend.


Nach 10 Tagen ist das Päckli immer noch nicht da – und es wird auch nicht mehr kommen. Es wird vom Zoll in Madrid, wo es seit einigen Tagen liegt, wieder zurück nach Hause geschickt. Der spanische Zoll hätte eine Identitätsnachweis des Empfängers gebraucht, um das Päckli weiterzuschicken. Da aber laut Zoll angeblich Livias Name nicht als Empfängerin auf dem Päckli angegeben war, sondern nur der des Campingplatzes, konnten wir diesen ID-Nachweis nicht einreichen, dies hätte der Campingplatz machen müssen. Die Besitzerin des Campingplatzes war jedoch nicht bereit dazu. So blieb nur noch die Retournierung übrig. Also müssen wir nun ohne Solarpanel auskommen – zumindest bis Marokko, wo uns Sophie (Meios Oma) besuchen kommt und unser neues Solarpanel gleich mitbringt. 🙂

Nach der Zwangspause in Aguilas stürzen wir uns freudig wieder in unseren Fahralltag und geben gleich richtig Gas. In nur 6 Tagen erreichen wir Tarifa (582 km). Es sind 6 kurzweilige Tage: schöne Landschaften, viele Höhenmeter (ja, Europas Süden ist durchaus bergig, 15´150 Höhenmeter Anstieg haben wir bisher überwunden), wild campen, vorbei an Almerias Gewächshausmeer, viele Schnellstrassenkilometer (mangels sinnvollen Alternativen), unsere erste Reifenpanne und erstmals richtig schmerzende Hintern.


Bevors nun endlich nach Afrika geht, verbringen wir zwei Tage in Tarifa. Nebst Veloservice und „Hausputz“ soll auch das Vergnügen nicht zu kurz kommen: wie nehmen an einer Wal- und Delfinbeobachtungs-Tour teil. Delfine und Grindwale sind hier das ganez Jahr über anzutreffen. In den Sommermonaten halten sich ausserdem Pott,- Schwert- und Finnwale auf. Die nahrungsreichen Gewässer der Strasse von Gibraltar bewegen die Tiere dazu, sich hier aufzuhalten, oblwohl sie sonst viel befahrene Gewässer eher meiden (gut 300 Schiffe verkehren hier täglich!). Wir konnten einen Pottwal und eine Gruppe Delfine beobachten.