Archiv für den Monat: Juli 2015

Diama – St. Louis, 18.7.-22.7.15

Die Grenze zum Senegal ist schnell und problemlos überquert. Es ist ein kleiner und sehr ruhiger Grenzübergang. Als wir schon fast losfahren wollen, fällt uns ein, dass wir ja noch unsere Ouguyas (Mauretanische Währung) loswerden müssen. Die sonst so zahlreichen Geldwechsler an den Grenzen fehlen hier völlig – jetzt, da man sie mal brauchen würde. Wir finden aber einen Grenzbeamten der uns wechseln kann. Hmm, hat den Senegal bereits den CFA (Westafrikanischer France)? Und zu welchem Wechselkurs können wir tauschen? Wir haben keine Ahnung und müssen uns einfach darauf verlassen nicht allzusehr übers Ohr gehauen zu werden 🙂 Als wir gerade wieder losfahren wollen, kommt uns eine Herde Kamele entgegen und wir müssen schauen, dass wir nicht unter die Hufe kommen. Die Tiere sind riesig! Wir kommen uns richtig klein vor mit unseren Rädern, wie wir da so zwischen den Kamelen stehen.
Die Strecke nach St. Louis ist schnell zurückgelegt. Die Strasse ist neu geteert und wir flitzen nur so über den Asphalt. Senegal ist im Vergleich zu Mauretanien schon fast sauber. Die Läden und Tankstellen sind schön und klar beschriftet, die Kühlschränke in den Shops sind nicht mehr nur Stauraum sondern kühlen auch tatsächlich, es gibt Treppen und die Häuser sind gepflegt und bunt gestrichen. Toll, wir fühlen uns gleich wohl! 🙂
Wir fahren durch St. Louis zum Campingplatz „Zebrabar“, der von Martin und Ursula aus der Schweiz geführt wird. Am Eingangstor steht ein gelber Toyota: Mareike und Andreas sind auch da! 🙂 Es ist ein wunderschöner Ort hier, direkt am Senegalfluss gelegen – eine richtige Oase. Der Campingplatz liegt im Parc National de la Langue de Barbarie. Vom hauseigenen Aussichtsturm hat man einen herrlichen Blichk über die Gegend bis zum Atlantik. Es hat viele bunte Vögel und hie und da kommen Affen und Leguane zu Besuch. Am Flussufer wimmelt es von kleinen Krebsen. Am Abend kommen auch Krebse an Land, diese sind dann allerdings ziemlich gross und krabbeln überall rum – auch im Zelt! Wir bleiben einige Tage hier, lassen Livias Eiterblasen an den Knöcheln ausheilen und planen unser weiteres Vorgehen. Wie solls nach Senegal und Gambia weitergehen?

 

Wir haben uns nun entschieden nicht nach Mali zu reisen. Die Sicherheitslage ist uns zu heikel um mit dem Velo durchzufahren. Der Küste entlang weiter runter kommt für uns auch nicht in Frage, da wir dann durch Ebolagebiet (Guinea, Sierra Leona, Liberia) müssten. Dies nicht vorrangig wegen der Ansteckungsgefahr – die Lage scheint sich ja Grösstenteils entspannt zu haben –  sondern weil es wohl nicht einfach werden würde mit Stempeln aus diesen Ländern im Pass weiter zu reisen. So kommen wir also über Land nicht mehr weiter, wir müssen fliegen. Mit  den Fahrrädern wollen wir nicht zu oft fliegen und vorallem nicht umsteigen müssen. Laut unseren Recherchen kann so eine Flugreise für Velos recht belastend sein und es kommt nicht selten vor, dass auch mal was (kleines) kaputt geht. Nachdem wir diverse Flugverbindungen ab Dakar abgeklärt haben, bleibt zu unserer Enttäuschung als einzige vernünftige Verbindung nur Johannesburg übrig. Das ist uns eigentlich schon viel zu weit südlich. Wir freunden uns dann aber doch mit dem Gedanken an. Irgendwo zu sein, wo wir uns schon ein wenig auskennen, erscheint uns plötzlich verlockend. Wir merken, dass wir eine kleine Pause brauchen und beschliessen in Südafrika gleich etwas „Veloferien“ zu machen. Mit einem kleine Mietauto werden wir ein paar Tage etwas rumfahren – viellecht nach St. Lucia ans Meer, wo es uns letztes Mal sehr gut gefallen hat. Danach solls dann mit frischer Energie mit den Velos durch Mozambique Richtung Malawi und Sambia gehen.

Es ist toll, täglich so viel Neues zu sehen, Menschen zu begegnen und mit dem Velo unterwegs zu sein, aber auch wahnsinnig anstrengend. Wo schlafen wir heute? Haben wir genügend Wasser? Wo können wir Essen einkaufen? Sind die Strassenverhältnisse velotauglich? Fragen, die täglich beanwortet werden wollen. So oft angebettelt zu werden setzt uns auch etwas zu, es ist schwierig, da den richtigen Umgang zu finden. Wir sind Wind, Wetter und Menschen dirket ausgesetzt – ein eigentlicher Rückzugsort fehlt. Aber das wollten wir ja 🙂

 

 

Nouakchott – Diama, 14.7.-17.7.15

Wir verabschieden uns von Mareike und Andreas und brechen Richtung Senegal auf. Die Landschaft verändert sich: es wird hügeliger und es wachsen sogar Bäume 🙂 Wir hören Vögel zwitschern und merken erst, dass uns das gefehlt hat. Die Gegend ist dichter besiedelt und wir fahren oft durch kleine Dörfer. Dies hat zur Folge, dass wir den ganzen Tag vom Rufen der Kinder begleitet werden. „Monsieur, Madame, donne moi une cadeau, donne moi une stilo“ tönt es ständig hinter uns her. Einer wills gleich wissen und will statt einem Kugelschreiber gar 50 Euro haben…
Wir übernachten wieder bei den Polizeicheckpoints, da wir nicht wieder eingesammelt werden wollen 🙂 Es ist interessant, dass uns von den Polizisten immer wieder erklärt wird, was für ein sicheres Reiseland Mauretanien ist, wir aber trotzdem unbedingt bei ihnen schlafen müssen… nun ja, wir haben uns immer sicher gefühlt, auch wenn wir mal nicht in der Obhut der Gendarmerie waren. Bei einem Checkpoint werden wir zum Essen eingeladen: es gibt Datteln, Milchsuppe, Kamel- und Ziegenmilch und dann noch einen Fleisch-/Kartoffeleintopf.

Kurz vor der Grenze zum Senegal beginnt der Parc National Diawling. Uns wurde gesagt, die Strasse sei zum Teil sehr schlecht. Wir wagen uns trotzdem hinein und sind eher positiv überrascht. Die meiste Zeit gehts ziemlich gut und wir können den Wellblech- und Sandstellen ganz gut ausweichen. Als wir Mittagsrast machen kommt plötzlich ein gelber Toyota Hilux angefahren: Mareike und Andreas! Und sie haben sogar eine kühle Cola und einen Icetea für uns dabei – super, herzlichen dank! 🙂 Wir plaudern ein wenig und sie fahren weiter. Wir wollen uns nochmals etwas hinlegenlegen bis die ärgste Hitze vorbei ist. Da hören wir ein Rascheln uns sehen auf der anderen Seite des Weges, nur wenige Meter entfernt, ein Warzenschwein mit ihrem Jungen. Sie verschwinden gleich wieder hinterm Gestrüpp und wir warten gespannt, ob sie nochmals auftauchen. Pötzlich quickt es hinter uns und das Warzenschwein steht nur ca. 3 Meter hinter uns und beäugt uns skeptisch. Es entfernt sich bald wieder etwas und kommt noch einige Male ziemlich nah an uns heran – zu nah für unseren Geschmack. Wenn man auf dem Boden sitzt, wirken sie auf einmal doch recht gross… 🙂 Es scheint ihm nicht zu gefallen, dass wir hier sitzen. Als es sich dann etwas länger nicht mehr zeigt, beschliessen wir weiterzufahren. Auf dem Weg bis zum Grenzposten in Diama sehen wir noch viele weitere Warzenschweinfamilien. Auf dem Velo sitzend scheinen sie aber mehr Angst vor uns als wir vor ihnen zu haben. 🙂

Gegen Abend kommen wir an der Grenze an und übernachten da. Es ist herrlich, das Wasser des Senegalflusses zu sehen, nach der ganzen Zeit in der Wüste. Gerade als wir fertig gegessen hatten, kommen tausende von Mücken und schwirren um uns rum – wahnsinn, sowas haben wir noch nie gesehen! Wir flüchten ins Zelt und wagen uns erst am Morgen wieder hinaus, als das Surren draussen etwas abnimmt. Und dann gehts ab in den Senegal. 🙂

Guerguerat – Nouakchott, 7.7.- 13.7.15

Um 9:00 öffnet die Grenze und wir sind bei den Ersten, die passieren. Wir reihen uns am Schalter für den Ausreisestempel ein. Leider haben wir das „fiche“ mit unseren Personalien, das für den Stempel benötigt wird, nicht ausgefüllt. Also nochmals zurück und erneut anstehen. Es geht trotzdem relativ schnell und nach einer Stunde dürfen wir bereits das „No-mans-land“ betreten. (3 km lange Piste zwischen den Grenzposten Marokko – Mauretanien, das Gebiet gehört weder Marokko noch Mauretanien und neben der Piste liegen noch viele Landminen!) Wir kommen trotz sandigen Stellen gut durch und erreichen bald den mauretanischen Grenzposten. Wir werden freundlich behandelt und nach dem wir unsere Pässe zig mal gezeigt haben und unsere Fingerabdrücke eingescannt wurden, kriegen wir den Einreisestempel und sind entlassen.

Es ist wahnsinnig heiss und mittlerweile bereits Mittag. Wir fahren nicht weit und sehen Lastwagenfahrer, die unterm Anhänger Rast machen. Es hätte auch noch Platz für uns und wir fragen, ob wir uns auch darunter legen dürfen. Selbstverständlich! Wir machen es uns gemütlich und bekommen Tee serviert.

Am Nachmittag fahren wir weiter. Es ist toll, in der Abendsonne zu fahren. Unterschlupf finden wir heute Nacht bei einem Funkantennenwärter und seinem Sohn. Wir dürfen unser Zelt neben dem Häuschen aufstellen. Es geht trotz Sand recht gut. 🙂 Zum ersten Mal ist es am Abend nicht bedeckt und wir geniessen einen herrlichen Sternenhimmel.

Euphorisch vom Sternenhimmel letzter Nacht, wollten wir auch gleich einen Sonnenaufgang sehen. Also stehen wir um 4:45 auf. Es ist noch stockfinster und das bleibt es auch bis ca. 6:00 … und selbst dann ist auf Grund des Dunstes kaum eine Sonne zu sehen … naja, das war wohl nichts. Immerhin sitzen wir so schon früh in den Sätteln. 🙂 Es wird bald schon ziemlich heiss und immer heisser. Wir kaufen in einer kleinen Boutique Wasser ein und bekommen von der Familie, die wohl auch gleich im Laden wohnt, ein traditionelles Zelt neben dem Laden zur Mittagsrast angeboten. Wir nehmen danken an und legen uns hinein. Es ist heiss und der Schweiss rinnt! Nach einger Zeit kommt der Vater der Familie und reicht mir sein Handy – die Polizei ist dran und will mit uns sprechen. Anscheinend haben sie unserer Fahrräder gesehen und wollten wissen, ob alles okey ist und wo wir heute schlafen.
Wir fahren noch etwas weiter bis ins „Örtchen“ Virage Tasiast und können da bei einem kleinen Laden übernachten. Der Mann hat sogar ein Raum für uns, so dass wir unser Zelt nicht stellen müssen. Auch heute essen wir wieder kalt zu Abend. Mit dem ständigen Wind wollen wir und das Kochen im Sand nicht antun.

Wir starten rasant in den Tag – der Wind weht von hinten 🙂 Trotzdem ist es bereits am späten Vormittag unerträglich heiss. Wir verkriechen uns unter ein Bäumchen. Es ist nur unwesentlich kühler, dank des Windes fühlen wir uns wie im Umluftbackofen. Auch das Wasser kocht fast. Wir träumen von kühlem Icetea und erinnern uns wehmütig an den Pool im Hotel in Marrakech 🙂 Etwas später kämpfen wir uns einige wenige Kilometer weiter, da soll eine kleine Boutique sein. Bald kommen ein paar Hütten und wir können da auch tatsächlich Wasser kaufen – zum Glück, allzu viel hatten wir nicht mehr. Es gibt sogar ein paar eingekühlte Flaschen Wasser, die wir gleich verputzen. Ein paar Hütten weiter fragen wir wegen einem Schafplatz – ein Pick-up steht da vor einer Hütte und wir spielen mit dem Gedanken uns damit nach Nouakchott chauffieren zu lassen. 🙂 Wir dürfen hier schlafen. Der Besitzer des Pick-ups ist noch unterwegs, soll aber bald zurückkommen. Noch vor dem Pick-up-Besitzer fährt aber die Gendarmerie vor. Wir werden ziemlich brüskt darüber aufgeklärt, dass wir auf keinen Fall hier schlafen können. Dafür kommen nur die Checkpoints der Gendarmerie in Frage. Widerrede ist ganz offensichtlich zwecklos, also verladen wir die Velos und das Gepäck auf den Pick-up der Gendarmerie und fahren mit. Zum Glück hatte wir das Zelt noch nicht aufgestellt. Am Checkpoint können wir dann zelten und in Ruhe endlich mal wieder kochen. Die anderen anwesenden Polizisten sind recht freundlich und auch unser „Retter“ wird zunehmend etwas sanfter. Wir erklären ihnen, dass wir die letzten 170 km bis nach Nouakchott eigentlich lieber nicht mehr mit dem Velo fahren wollen – es ist einfach zu heiss. Sie wollen uns morgen eine Mitfahrtgelegenheit suchen. Wir sind skeptisch.
Am nächsten Morgen packen wir zusammen und dürfen uns zu den diensthabenden Gendarmes unters Vordach des Checkpoint-Häuschens setzten, bis eine Mitfahrtgelegenheit gefunden ist. Wir sind gespannt wie lange das dauert und sind uns nicht immer ganz sicher, ob sie die Vorbeifahrenden tatsächlich fragen. Wir bekommen Tee und warten. Nach ca. zwei Stunden winken sie uns heran und wir können unser Gepäck und die Velos hinten auf einen offenen Lieferwagen laden. Auch wir nehmen gleich selbst dort platz. Super, wir freuen uns auf die Fahrt! 🙂 Kurz nach Abfahrt bekommen wir Gesellschaft: 4 Männer und ein ganzer Haufen Gepäck steigen zu.

In Nouakchott angekommen, werden wir beim beladen der Velos einmal mehr von einem Haufen Leuten und Kindern umringt. Auch ein Polizist kommt hinzu und erklärt uns den Weg ins Stadtzentrum und wo wir Geldwechseln können. Nach der relativen Einsamkeit der Wüste kommt uns Nouakchott voll und lärmig. Es herrscht ein totales Chaos auf den Strassen. Kurz nach dem wir losgefahren sind hält ein Auto der Gendarmerie neben uns. Sie wollen uns ins Zentrum begleiten, wir sollen ihnen folgen. Gut, machen wir. Als das Verkehrschaos die Polizisten blockiert, wir aber weiterfahren können, zeigen sie und nochmals den Weg. Wir fahren weiter und werden kurz darauf von einem Mann angesprochen. Die Polizei habe ihn angerufen, wir wollen Geldwechseln oder? Ja, wollen wir und machen wir dann auch. 🙂 Danach suchen wie die Auberge Menata (da nicht angeschrieben, sieht sie aus wie ein gewöhliches Wohnhaus und wir müssen zweimal fragen) und campen da.
In den nächsten Tagen kümmern wir uns um die Visas für Mali und Senegal. Beide erhalten wir problemlos und unkompliziert noch am Tag der Beantragung. In der Auberge Menata treffen wir ausserdem auf Andreas und Mareike, die mit ihrem gelben Toyota auch auf dem Weg nach Kapstadt sind. Wir verbringen nette Stunden zusammen und geniessen den Erfahrungsaustausch.

 

 

 

 

 

 

 

 

El Ouatia – Guergarat, 2.7. – 6.7.15

Von El Ouatia gehts ab durch die Wüste. Gleich am ersten Tag fahren wir an ersten Sanddünen und schönen Lagunen vorbei und sehen Kamele. Unterkunft finden wir bei Mohammed in seiner Strassenräumstation (mit seinem Radlader befreit er die Strasse vom Sand.) Wir verständigen uns mit Händen und Füssen und es wird ein netter Abend. Wir essen gemeinsam zu Abend (Milchbrei, Datteln und Brot von Mohammed, Kekse und Früchte von uns) und trinken Tee.

Von Tarfaya nehmen wir den Bus nach Layoune, wo wir am Abend einen weiteren Bus nach Dakhla nehmen. Da ja wie bereits bekannt keine Cafes offen habe (Ramadan), legen wir uns in einem Park ins Gras (!) bis wir verscheucht werden und verbringen den Rest des Tages auf dem Gehsteig im Schatten sitzend. Am späten Nachmittag öffnen dann die ersten Cafes. Gegen 21:00 machen wir uns auf zum Busbahnhof, der Bus fährt ja um 21:45 und das Gepäck muss noch aufgegeben werden. Es ist ein totales Gewussel und es hat viele (aufdringliche) bettelnde Kinder. Als unser Bus dann kurz nach 23:00 kommt, sind wir froh, dass das Einladen der Velos gut funktioniert. Wir machen es uns in einem halbvollen Bus für die Nacht gemütlich und werden „nur“ 6x geweckt, da die Polizisten an den Kontrollposten unsere Pässe sehen wollen. Am Morgen kommen wir in Dakhla an und werden von starkem Wind begrüsst, der uns den ganzen Abfall um die Füsse weht. Wir quartieren uns im netten Hotel Bouloutard ein und bleiben zwei Tage.
Erneut mit dem Bus gehts ab zur Grenze nach Guerguerat. Der Bus fährt erst um 21:00, so dass wir dann morgens um 3:00 – nach einer äusserst rasanten Fahrt – direkt vor dem Grenztor den Bus verlassen. Wir finden im Hotel Borders ein Plätzchen in einem Mehrbettzimmer für den Rest der Nacht.

 

 

Marrakech – El Ouatia, 24.6. – 1.7.5

Nach den Tagen in Marrakesch freuen wir uns wieder auf unseren Fahralltag. Mit Campingplätzen oder ähnlichem ist nun bis Agadir nicht mehr zu rechnen, so dass wir schon für die erste Nacht nach Marrakesch bei einem Bauernhof um einen Zeltplatz anfragen. Nach dem wir vom Besitzer gründlich ausgefragt wurden, gibt er uns ein Zimmer im Angestelltenhaus. Zwei Arbeiter wohnen ebenfalls da. Sie sind sehr freundlich und bringen uns nach dem Abendessen einen feinen Banane-Shake zum Dessert.


Die nächsten zwei Tage bis nach Agadir führen uns in bergige Regionen. Wir wählten bewusst eine Route, die das Atlas-Gebirge nur streift, so müssen wir nur auf 1320 m.ü.M. hinauf. Es sind wunderschöne Tage in roten Berglandschaften. Die Gegend ist nur dünn besiedelt. Wir sehen viele Schaf- und Ziegenhirten mit ihren Herden. Wir finden Unterschlupf bei einem der weingen Häuser auf der Strecke. Es scheint ein Frauenhaushalt zu sein. Eine der jüngeren Frauen spricht ein wenig französisch – gerade so viel, dass wir unser Anliegen verständlich machen können. Sie sagt sofort ja und wir stellen unser Zelt hinterm Haus auf. Schade, dass von Livias Arabischkurs vor von 10 (?) Jahren nicht mehr viel hängen geblieben ist, wir hätten uns gerne etwas mehr mit den Frauen unterhalten. In den ländlichen Gegenden wird immer weniger französich gesprochen.


Von Agadir gehts weiter nach Tiznit und dann immer weiter Richtung Westsahara. Kurz nach Tiznit beschliessen wir, eine Bus zu nehmen. Wir machen das auf die afrikanische Art: wir warten am Strassenrand bis ein Bus in Sicht kommt und winken. Nach nur 5 min. haben wir Erfolg. Wir können die Velos unten einladen und bis nach Guelmim (ca. 90 km) mitfahren. Als wir in Guelmim ankommen ist es erst später Vormittag. So beschliessen wir, es gleich nochmals zu versuchen da ja alles wunderbar unkompliziert geklappt hat. Wir wollen heute noch bis Tantan (ca. 120 km) kommen. Wir warten etwas länger bis ein Bus anhält, der noch Platz für uns und unsere Velos hat. Um die Velos unten in den Gepäcksraum zu bekommen, muss ziemlich gequetscht werden und die Velos passen nur liegend hinein. Es ist uns nicht ganz wohl dabei und wir hoffen, dass unsere Velos die Fahrt heil überstehen…. als wir dann merken, dass unser Fahrer eher einen rauhen Fahrstil hat, befürchten wir das Schlimmste … Die Landschaft wird flächer und karg. Man fühlt sich bereits hier ziemlich im Niemandsland und bis zur Mauretanischen Grenze sind es noch immer 1250 km – wahnsinnig, diese Distanzen!

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In Tantan angekommen, bewahrheiten sich unsere Befürchtungen: bei Meios Velo sind bei der hinteren Felge Speichen ausgerissen. Was wohl nicht nur an der Busfahrt liegt, sondern auch daran, dass der Velomechaniker in Marrakesch die Speichen zu fest angezogen hat, denn auch bei Livias Velo sind an der hinteren Felge Haarrisse beim Speichenloch zu finden. Das werden wir dann wohl in Zukunft besser selbst machen.
Zum Glück sind Velos in Tantan sehr verbreitet und es hat einige Velowerkstätten. Bei der dritten Werkstatt treffen wir auf einen Mechaniker, der sich für unser Problem interessiert. Wir verbringen den ganzen Nachmittag dort bis Meio schliesslich wieder ein fahrtüchtiges Velo hat (ohne Vorderbremse…) . Es ist ein Kommen und Gehen und auch Bekannte des Mechanikers helfen mit. Trotz der Sprachbarrieren wird gescherzt und gelacht. Müde suchen wir uns ein Hotelzimmer. Beim einchecken werden wir einmal mehr gefragt, ob wir verheiratet sind. Wir behaupten wir seien es und zeigen ihm unsere Fake-Eheringe, die wir uns in Agadir gekauft haben um glaubhafter versichern zu können, dass wir verheiratet sind. Es wurde uns in der Vergangenheit nicht immer geglaubt. Dieser Mann an der Rezeption will aber noch mehr und verlangt eine Heiratsurkunde. Ohne diese will er uns nicht in ein Doppelzimmer lassen. Wir erklären ihm, dass es für uns nicht üblich ist, mit Heiratsurkunde zu verreisen und weisen ihn nochmals auf die Ringe hin. Er kämpft mit sich und gibt schliesslich nach – wir dürfen gemeinsam in ein Zimmer. Es muss wohl auch noch eine Fake-Heiratsurkunde her 🙂

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