23 Chipata – Livingstone, 14.10. – 1.11.15

Grenzübertritte mit dem Velo sind immer etwas Schönes, vorallem wenn immer alles so angenehm läuft wie bei uns. 🙂 Der Genzbeamte beim Einreiseschalter macht sich kurz etwas Sorgen, als ich ihm auf seine Nachfrage sage, dass wir bis nach Botswana radeln wollen. Es sei ein langer Weg, ob wir auch gut vorbereitet seien? Ich beruhige ihn und weise ihn darauf hin, dass wir auch schon einen langen Weg hinter uns haben. Mit einem Blick in unsere Pässe, die ja doch mittlerweile einige Stempel vorweisen können, lacht er und meint, dann sei dass ja kein Problem 🙂 So sind die Formalitäten schnell erledigt. Wir erhalten für 50 USD unser Visum, leider aber nur für einen Monat. DasVisum kann aber (angeblich gratis) in einem Immigration Office, die sich in mehrere grösseren Ortschaften befinden, verlängert werden. Nun ja, mal schauen wie dass dann läuft, falls wir Verlängern wollen/müssen.

Die Strasse nach Chipata hinein ist nagelneu, so gleiten wir die letzten 40 km bis zum Mama Rulas Campingplatz nur so dahin – zum Glück, es war ein langer Tag! Es kommt uns ganz unwirklich vor, dass wir heute morgen noch in Lilongwe waren. 🙂

 

 

Als ich schon im Schlafsack liege und Meio seine „Gute-Nacht-Zigarette“ raucht, traut er seinen Augen kaum, als zwei Velofahrende auf dem Campingplatz eintreffen. Es gibt sie also doch noch, die anderen Tourenradler 🙂 George und Penny aus Südafrika sind nach Tansania unterwegs. Von den beiden erfahren wir, dass die Strasse nach Lusaka neu gebaut wird – d.h. Baustelle auf fast 300 km! Was kilometerlange Umfahrungen auf Sand- und schlechten Schotterpisten bedeutet. Also (fast) nicht passierbar für Velofahrenden. Sie haben sich von einem Pickup mitnehmen lassen. Oje, schade, wo wir doch gerade so im Radler-Modus sind… wir wollen uns das aber trotzdem nicht antun und werden uns wohl um eine Mitfahrgelegenheit bis nach Lusaka kümmern. In Lusaka wollen wir dann ein Auto mieten und von dort den Kafue National Park besuchen.

 
Nach einem Tag Pause stehen wir nun also wieder einmal mit unseren Velos am Strassenrand und warten auf eine geeignete Mitfahrgelegenheit. Wir erwischen einen Postbus, der bis nach Lusaka fährt. Die Velos können gut verladen werden und auch wir haben noch Platz – denn der Bus ist leer! Mal was ganz Neues. 🙂 Wir machen es uns gemütlich und tuckern dahin. Einige Leute steigen noch zu und wir müssen immer mal wieder in die Ortschaften rein fahren um bei den Poststellen die Briefe abzuholen. Am frühen Nachmittag fängt dann der Bus ungewöhnlich stark an zu hüpfen – die Luftfederung funktioniert nicht mehr. Wir halten also an und die Männer kriechen unter den Bus. Auch Meio hilft tatkräftig mit und nach einer guten Stunde ist das Problem behoben. Wir fahren weiter und kommen nach 12 Stunden Fahrt (für eine Strecke von 560 km) um halb sieben in Lusaka an. Es ist bereits dunkel und wir hatten uns vorher im Bus schon überlegt, dass wir am besten gleich heute Abend noch zum Flughafen radeln und das Auto mieten. Der Buschauffeur lässt uns netterweise etwas ausserhalb des Stadtzentrums aussteigen, so dass wir „nur“ 11 km zum Flughafen radeln müssen – das erscheint uns aber immer noch angenehmer als mitten in der Stadt im Dunkeln eine Unterkunft suchen zu müssen. Nach einer knappen halben Stunde kommen wir heil am Flughafen an. Wir haben Glück, Avis hat den Schalter gerade noch geöffnet 🙂 Wir werden sehr herzlich begrüsst und keine halbe Stunde später sind wir bereits dabei die Velos auf „unseren“ Nissan Pickup zu laden. Wir fahren auf einen nahgelegenen Campingplatz, wo wir uns für diese Nacht einquartieren. Sogar die Unterbringung für die Velos auf dem Campingplatz während unseres Ausflugs in den Kafue können wir noch am selben Abend regeln. Das klappt ja alles wunderbar! 🙂

 
Bevors in den Kafue National Park geht, fahren wir nach Lusaka rein um uns mit Wasser und Essen für die nächsten Tage einzudecken. Lusaka wirkt sehr südafrikanisch mit all seinen grosse Shopping Centern, wo von Woolworth, Pick’n’Pay über Steers und HungryLion alle bekannten Supermärkte und Fast-Food-Restis vertreten sind.

 
Dann geht’s ab in die Einsamkeit des Kafue National Parks. Wir verbringen vier Tage im Park und begegnen fast keinen anderen Touristen, aber leider auch fast keinen Tieren. Die Landschaft ist sehr schön und die Campingplätze sind einfache Bush Camps ohne Zäune oder ähnliches. Man schläft also mitten im Park. In einer Nacht hören wir dann auch Hippos, einen Elefanten und einen Löwen ziemlich nah am Zelt. Am nächsten Morgen sind dann aber von den nächtlichen Diskussionen, die die drei wohl miteinander hatten, keine Spuren mehr zu sehen.

Nach fünf Tagen Auto haben wir schon wieder genug von der Fahrerei und geben das Auto viel früher zurück, als geplant. Zum Glück ist Avis so kulant und verrechnet uns dann auch nur diese Tage und nicht die ganzen neun, die wir es eigentlich reserviert hatten. Auf dem Velo ist‘s halt doch am schönsten 😉

Von Lusaka radeln wir in dann wieder in südliche Richtung – wir nähern uns bekanntem Gebiet 🙂 Bis nach Livingstone sind es noch fast 500 km. Am ersten Tag wollen wir es gleich wissen und erhöhen unseren Tagesstreckenrekord auf 178 km … denn da hat es einen Campingplatz 😉 Nach neun Stunden auf dem Velo kommen wir ziemlich groggy auf dem Moorings Camp an. Wir brauchen einen Moment um an- und runter zu kommen und merken dann, dass das für unserer Körper wohl doch etwas zu viel war, da Meio mit Übelkeit zu kämpfen hat. Nach einem Tag Pause sind wir aber wieder mehr oder weniger fit und radeln weiter.

Die Landschaft ist geprägt von weiten baumbewachsenen Ebenen und sanften Hügeln. Es ist merklich weniger dicht bevölkert als Malawi und wir haben immer mal wieder längere Abschnitte ohne Ortschaften. Wir geniessen die Ruhe. Die Menschen sind sehr freundlich. „Give-me“-Rufe hören wir kein einziges Mal. Oft sind wir bereits mittags um die 100 km geradelt, so dass wir die Nachmittage zum Entspannen und Entdecken nutzen – je nach dem wo wir übernachten. 🙂 Es hat wieder mehr touristische Infrastruktur, so dass wir doch hie und da einen Campingplatz finden. Sonst übernachten wir auch gerne mal in einem einfachen Guesthouse, in dem normalerweise eher Einheimische absteigen. So z.B. in der kleinen Stadt Zimba im „Zimba Guesthouse“. Das Zimmer ohne WC/Dusche kostet hier CHF 1.50, wir gönnen uns aber den Luxus eines eigenen Bades und müssen dafür etwas tiefer in die Tasche greifen: CHF 7.50 will der nette Besitzer dafür haben. 🙂 Wir plaudern etwas mit anderen Gästen. Offenbar hat Zimba ein gutes Krankenhaus, da wir gleich von mehreren Leuten hören, dass sie wegen eines Arztbesuches hier sind. Wir geniessen es, in Ruhe durch die total untouristische Ortschaft zu schlendern und in einem der ca. 6 kleine Restaurants, die alle Nsima (Maisbrei) mit Chicken, Beef oder Wurst anbieten, zu Mittag zu essen.

Nach fünf Tagen kommen wir in Livingstone an und machen hier ein paar Tage Pause.

 

 

 

 

 

Monkey Bay – Mchinji, 9.10.15 – 14.10.15

Von Monkey Bay nehmen wir die 250 km bis Lilongwe in Angriff. Eigentlich haben wir es ja nicht so mit Städten und da wir ausnahmsweise mal kein Visum besorgen müssen (Zambia Visum gibt’s an der Grenze) dachten wir erst daran, Lilongwe zu umfahren. Die Verlockung mal wieder in einem Supermarkt einkaufen zu können ist dann aber doch zu gross, denn unterwegs verpflegen wir uns in winzigen Läden am Strassenrand, deren Angebot sehr beschränkt ist…und da der direkteste Weg zur zambischen Grenze eh durch Lilongwe führt, steuern wir nun Malawis Hauptstadt an. Ausserdem brauchen wir Sonnencreme-Nachschub. 🙂

In den drei Fahrtagen bis nach Lilongwe überwinden wir 1´900 Höhenmeter Anstieg (1´100 davon in nur einem Tag!), hören tausende Kinder „Give-me“ rufen und kaufen – mangels Alternativen – unzählige 0,5-l-Wasserflaschen. (Das Wasser aus den Brunnen ist nicht immer geniessbar und schmeckt manchmal irgendwie schleimig…)
Die Rufe der Kinder beschränken sich anfangs zum Teil noch  auf „Muzungu!“ (Weisser/Weisse), doch bald wird daraus ein „Give me money!“ oder „Give me bottle!“ bis es dann zu einem schlichten „Give me!“ wird. Zum Teil bricht eine richtige Hysterie aus: die Kinder kommen rufend vom hintersten Zipfel des Dorfes angerannt und schreien uns noch hinterher, wenn wir schon längst durch den Ort geradelt sind. Selbst wenn wir grüssen und winken (was uns jedoch spätestens bei den schlichten „Give-me“-Rufen vergangen ist…) beruhigen sie sich nicht. Wir wundern uns, wie sie uns schon immer von so weit her sehen können… vermutlich haben sie die Rufe der Kinder vom Nachbardorf vernommen… Malawi ist so dicht besiedelt, dass wir kaum unbewohnte Gegenden passieren. Entsprechend nervenaufreibend wird die ganze Sache mit der Zeit. Unserer Reaktionen sind vielfältig – je nach Laune und Tagesverfassung. Oft ignorieren wir die Rufe einfach, manchmal gibt’s ein Lächeln und ein zuckersüsses „No“ zur Antwort, hie und da fällt das „No“ aber auch etwas strenger aus oder wir antworten als Echo und rufen „Give me, Give me!“ zurück. Wir müssen uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass es Kinder sind und sie am wenigsten für diese unangenehme Situation können. Die Erwachsenen reagieren in der Regel nicht auf die Rufe der Kinder. Hie und da kommt gar von einem Erwachsenen ein „Give me money“. Diese lassen wir dann unseren Unmut eher spüren und haben es auch schon mit der Rückfrage „Warum / Was soll das?“ versucht. Antworten kommen aber keine…
Die Hintergründe für dieses Phänomen, das uns ja doch schon seit Marokko immer wieder begleitet, sind sehr vielfältig und schwer zu ergründen. Einerseits ist es wohl der Tourismus und der Irrglaube vieler Touristen mit Geschenken für die „armen afrikanischen Kinder“ etwas Gutes zu tun. Übertriebene Trinkgelder erwecken auch den Eindruck, in Europa wachse das Geld auf Bäumen. Andererseits tun wohl auch die zahlreichen Hilfsprojekte ihren Teil dazu. Immer wieder sehen wir Tafeln die Gesundheits-, Wasser-, Schul- und Strassenbau-Projekte anzeigen – mit freundlicher Unterstützung diverser Organisationen aus europäischen Ländern, den USA, hie und da auch aus dem asiatischen Raum oder der katholischen Kirche. Selbstverständlich ist es toll, wenn Gesundheitszentren, Brunnen und Schulen gebaut werden. Das Miteinander und die Nachhaltigkeit ist aber unserer Meinung das A und O solcher Projekte. Das Bild des „Weissen“ der kommt und gibt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten ist hier wahnsinnig tief in den Köpfen vieler Menschen verankert.
So nähern wir uns also langsam Lilongwe und übernachten einmal auf dem Campingplatz einer Missionsstation und finden für die zweite Nacht Unterschlupf in einem Mädchen-Internat. Die Lust, in den Dörfern zu übernachten ist nach all den Rufen tagsüber nicht all zu gross und wir sind froh, wenn wir am Abend unserer Ruhe haben. Die Menschen sind im direkten Kontakt (beim Einkaufen oder in der Mittagspause) aber sehr freundlich und wir fühlen uns trotz allem nicht unsicher oder unwohl.
In Lilongwe quartieren wir uns auf dem (überteuerten) Campingpatz des Mabuya Camps ein. Wir machen zwei Tage Pause hier. Unser Material braucht etwas Pflege (Zeltreissverschluss und Zelthülle flicken, Kocher putzen, Plane waschen, Schrauben am Velo checken, da schon einige durch das ständige Rütteln auf der Strecke blieben… 🙂 ) und wir geniessen den Pool und den nahen Supermarkt. Die Brotvielfalt ist auch hier etwas spärlich, aber immerhin gibt’s Verschiedenes zum dazu essen 🙂


Dann radeln wir weiter Richtung Zambia. Die „Give-me“-Rufe nehmen merklich ab – die Gegend ist auch etwas dünner besiedelt. Die roten Ziegelhüttchen werden zu richtigen kleine Häusern. Die Ziegel dazu werden in diversen Ziegelöfen selbst hergestellt. Auf der Strasse sind wir noch immer in bester Gesellschaft: Radfahrende und Velotaxis überall. Das Velo ist Transportmittel für alles – vom Schwein über Ziegen bis zu Brennholz, Holzkohlesäcke und Wasserkanister (bis zu sechs 20-Liter-Kanister, das sind 120 kg…!) wird hier alles auf dem Velo befördert.

Wir nähern uns in Windeseile der zambischen Grenze und bereits am Nachmittag um 14:00 haben wir die letzten 120km in Malawi hinter uns gebracht. Wie schon bei der Einreise kann ich die ganzen Formalitäten für uns beide wieder alleine regeln – Meio ist also nach Malawi ein- und ausgereist ohne dass ihn auch nur ein Zollbeamter direkt zu Gesicht bekommen hat 🙂 Trotz den „Give-me“-Rufen hat uns Malawi gut gefallen und es war toll mal wieder ein Land nur per Velo zu bereisen – und jetzt freuen wir uns auf Zambia.

Mwanza – Monkey Bay, 29.9.15- 8.10.15

Hallo Malawi 🙂 Die Einreise ist gewohnt unkompliziert und schnell erledigt. Nach Geldwechseln und Geldbeziehen sind unsere Portemonnaies prall gefüllt – mit umgerechnt ca. 200 Chf! Der Wechselkurs ist 1:550 und die grösste Kwacha-Note ist die 1000er Note… Wir kehren ins erst beste Restauräntli nach der Grenze ein und bei einem kalten Wasser, einem Teller Popcorn und einer Portion Pommes erholen wir uns von den strengen letzten Kilometern. Wir fahren heute nicht mehr weiter sondern suchen uns hier eine Unterkunft. Zelten ist hier nicht so ideal, daher nehmen wir ein Zimmer in der Betania Lodge – klingt nach weit mehr als es hergibt… aber unserer Luftmatratzen und Schlafsäcke lassen sich ja auch auf dem Bett ausbreiten und gegen eine Pet-Flaschen-Dusche ist auch nichts einzuwenden 🙂

Am nächsten Tag starten wir wieder früh um die kühleren Morgenstunden auszunutzen. In Malawi gehts erst mal hügelig weiter. Wir sind in bester Gesellschaft, zahlreiche Velofahrende tummeln sich auf den Strassen. Das Fahrrad ist hier auch Öffentliches Verkehersmittel: einfach den Gepäcksträger polstern und schon hat man ein Fahrrad-Taxi 🙂 Autos hats fast keine, wohl weil auch hier der Benzin pro Liter 1.50 CHF kostet! Überall hat es viele Menschen. Man merkt, dass Malawi einer der am dichtesten bevölkerten Staaten Afrikas ist. Als wir in einem Örtchen unseren Mittagsrast halten, hören wir plötzlich das Gebimmel eines Glace-Wagens. Wir lachen und denken wir haben wohl etwas zu viel Sonne abbekommen… Doch tatsächlich fährt ein ami-sytle Eiswagen vor, der Erdbeer-Softice verkauft! 🙂 Meio nutzt die Gelegenheit und gönnt sich eines.

Am Nachmittag radeln wir noch etwas weiter. Meio fühlt sich aber zunehmend unwohl. Wir suchen uns ein Plätzchen zum schlafen und fragen in einem Dorf um Zelt-erlaubnis. Es findet gerade ein Security-Ausbildungs-Treffen statt. Ein Polizist aus Blantyre ist extra angereist um lokale Nightguards zu instruieren, die hier in der Gegend nachts ihre Runden drehen sollen. Es sei vermehrt zu Diebstählen gekommen in letzter Zeit. Wir dürfen hinterm Haus der Securitys unser Zelt aufschlagen. Der Polizist aus Blantyre deckt uns mit Sandwiches und Wasser ein. Die Sandwiches bleiben alle Livia, denn Meio muss sich kaum sind wir von den Velos gestiegen das erste Mal fluchtartig hinter einen Busch stürzen um sich zu übergeben. Ob ihm wohl das Softice nicht bekommen ist? Während Livia das Zelt aufstellt, alles einrichtet, und Meio sich ausruht – zwischen seinen Ausflügen hinter den Busch – gruppiert sich eine Schar Kinder aus dem Dorf um uns. In einigen Metern Abstand setzen sie sich hin und beobachten jeden unserer Handgriffe. Sie bleiben bis es zu dunkel ist um uns weiter zuzusehen.
Am nächsten Morgen fühlt sich Meio zum Glück bereits bedeutend besser und wir schaffen es – mit ein bisschen mehr Pause als sonst – bis nach Liwonde am Shire River. Hier machen wir Pause, so dass sich Meio vollständig erholen kann. Meios FlipFlops müssen auch schon wieder geflickt werden. Die Sohle hat ein Loch, daher lassen wir dieses Mal einen Profi ran 🙂

Wir besuchen ausserdem den Liwonde Nationalpark und machen da eine Walking-Safari. Es ist toll zu Fuss durch die schöne Landschaft zu spazieren und diverse Spuren der Tiere erklärt zu bekommen. An einem Fussabdruck eines Elefanten wird uns wieder einmal bewusst, wie gross die Tiere sind, denn Livia findet bequem Platz darin. 🙂 Wir sehen Warzenschweine, Buschböcke, Affen, ein Krokodil, Hippos und können 5 Elefanten beobachten, wie sie den Fluss durchqueren – einfach schön 🙂

Von Liwonde aus radeln wir vorbei an Baumwollfeldern, Maisäckern und Ziegeleien durch zahllose Dörfer Richtung Malawisee. Überall gibt es Tomaten und Popcorn zu kaufen und an Strassenständen werden gebratenen Maiskolben und selbstgemachte Pommes verkauft. Wir flitzen nur so dahin, denn es ist endlich mal wieder flach 🙂 Die Gegend um den See ist wieder touristischer. Was wir nicht nur an den wieder vorhandenen Campingplätzen sondern auch an den „Give-me-money“-Rufen der Kinder merken, die wir wieder vermehrt vernehmen. Wir nehmens aber im Moment noch recht gelassen… Bereits am Mittag erreichen wir einen schönen Campingplatz direkt am See und nehmen ein erstes erfrischendes Bad – herrlich.

Am nächsten Tag geht’s weiter zum Cape Maclear im Lake Malawi Nationalpark. Eine schöne Passstrasse führt durch den Nationalpark zum Cape in die Ortschaft Chembe. Da Chembe mitten im Nationalpark liegt, hätten wir uns das etwas ruhiger und naturbelassener vorgestellt. Es ist ein kleiner Ort aber auch wieder voller Menschen, es gibt einige kleine Baren und Läden, und Lodges und Campingplätze für Touristen. Die Lage am See mit Blick auf die Inseln ist sehr schön. Am Seeufer herrscht ein reges Treiben: Wäsche waschen, Geschirr spülen, baden, schwimmen, Fischerboote kommen und gehen – es ist immer was los und es gibt Vieles zu beobachten. 🙂 Etwas ausserhalb von Chembe am Otters Point finden wir dann einen ruhigeren Strandabschnitt mit schönen Felsen wo wir herrlich in Ruhe baden und schnorcheln können.

Dann gehts zurück über die Passstrasse nach Monkey Bay, wo wir uns im Mufasa Backpacker nochmals einen Tag am See gönnen. Es ist wieder ein wunderschönes Plätzchen hier: runde Felsen, klares Wasser, Sand und schattenspendende Bäume.

 

 

 

 

 

 

Vilankulos – Zobue, 15.9.15 – 29.9.15

Wir verbringen noch fast eine weitere Woche auf Marimba. Meio hilft beim Wasserturm reparieren und auch sein Flip-Flop muss bereits zum 2. Mal genäht werden… 🙂 Doch dann müssen wir los – unser Visum läuft am 30.9. ab. 🙂

In Pambara (20 km von Vilankulos an der Hauptstrasse) halten viele Lastwagen und Busse an um sich zu verpflegen. Ein guter Punkt also um eine Mitfahrgelegentheit zu finden. So finden wir einen Truck, der uns bis nach Inchope mitnimmt. Es ist eine luxuriöse Art zu reisen: wir haben massig Platz und können es uns auf der Liege des Fahrers gemütlich machen. Herrlich, so vergehen die 7 Stunden Fahrt wir im Flug. Als wir in Inchope ankommen ist es bereits dunkel. Die Strasse ist gesäumt von Lastwagen, die hier die Nacht verbringen – entsprechend viele Baren und Restaurants befinden sich hier. Dank der Hilfe unseres Fahrers finden wir sogar eine „Bungalow-Anlage“, wo wir unser Zelt aufstellen können.

Am nächsten Morgen schwingen wir uns zur Abwechslung mal wieder auf die Räder und fahren bis nach Chimoio. Wir geniessen den Tag – schön, mal wieder zu radeln 🙂

Aus zeitlichen Gründen gehts dann aber ab Chimoio wieder mit dem Truck weiter bis nach Tete. Diesesmal fahren nebst uns noch zwei Männer mit. Es ist wieder eine angenehme Reise. Wir können uns etwas mehr mit unseren Mitreisenden unterhalten, da diese etwas Englisch sprechen. Unser portugiesisch gibt leider immernoch nicht viel her … 😉 Nach zwei Stunden Fahrt gibts Zwangspause: Ein Lastwagen ist umgekippt und blockiert die Strasse. Wir ahnen nichts Gutes und stellen uns auf eine lange Wartezeit ein… aber bereits nach einer guten Stunde können wir wieder los 🙂

Zügig geht die Fahrt dann weiter – immer mal wieder unterbrochen von Polizeikontrollen. Wir drei, die auf dem „Rücksitz“ sitzen machen uns dann immer möglichst klein, damit man uns nicht schon von aller Weite sieht…. wohl damit der Fahrer etwas weniger Schmiergeld zahlen muss, denn dass bei diesen Kontrollen Geld den Besitzer wechselt, ist völlig normal. Kurz nach Mittag kommen wir in Tete an. Es hat hier einen Campingplatz direkt am Zambezi – toll! 🙂

Wir bleiben einen Tag in Tete und lassen Meios Veloständer reparieren, der vor einigen Tagen abgebrochen ist.

Am nächsten Morgen radeln wir dann wieder los. Bis zur malawischen Grenze sind es noch gut 120 km, die wir in zwei Tagen zurücklegen. Die Landschaft ist hügelig. Die Menschen sind sehr nett. Wir werden freundlich gegrüsst, interessiert beobachtet und auch oft fotografiert – wir fühlen uns fast wie Promis 🙂 Vorallem Kinder können sich kaum an uns sattsehen. Wenn wir irgendwo Pause machen oder einkaufen sind wir umringt von Menschen. Aber sie sind niemals aufdringlich und es wir auch nicht gebettelt. So macht das Velofahren richtig Spass und Freude. Unsere letzte Nacht in Mozambik verbringen wir in einem kleine Dorf im Hinterhof eines Ladens. Wir haben einen schönen Platz für uns und können in aller Ruhe kochen. Immer wieder hört man es hinter dem Strohzaun rascheln und Kinderköpfe tauchen auf, die unter Gekicher wieder verschwinden kaum dass sich unsere Blicke in ihre Richtung wenden.

Mit dem Sonnenaufgang (5:30) machen wir uns auf, die letzten 40 km bis zur Grenze hinter uns zu bringen. Es sind zähe 40 km für die wir fast 4 Stunden brauchen! Ein Hügel nach dem anderen, rauf und runter, rauf und runter…  müde kommen wir dann aber trotzdem noch vor dem Mittag an der Grenze an. Tschüss Mozambik – schön wars, wir kommen wieder 😉

 

 

 

 

Ressano Gracia – Vilankulos, 1.9.15 – 15.9.15

Der Grenzübertritt nach Mozambik verläuft einmal mehr problemlos. In ca. 45 min ist alles erledigt  – samt Visum besorgen und trotz mehrmaligen, stromausfallbedingten Verzögerungen. Die erste Nacht verbringen wir kurz nach der Grenze. Am nächsten Morgen radeln wir über sanfte Hügel und an kleinen Dörfern vorbei nach Maputo hinein. Nach Dakar erscheint uns Maputo vergleichsweise ruhig und übersichtlich. Wir quartieren uns hier im Fatimaˋs Backpacker ein, bis wir das Visum für Malawi organisiert haben.

Auch hier, kein Problem: bereits am nächsten Nachmittag nach der Beantragung können wir unsere Pässe wieder abholen. Allerdings kann das Visum nur in US Doller bezahlt werden (100 USD pro Person!), so dass wir erst mal noch Geldwechseln müssen.

Es ist immer wieder interessant, mit der afrikanischen „Bürokratie“ zu tun zu haben (Konsulate, Grenzposten, Zoll, Banken, Polizeikontrollen…) 🙂 Es beginnt bereits, wenn wir mit den Velos vorfahren: für das Wach- bzw. Empfangspersonal eine völlig neue Situation – wo können die Velos bloss abgestellt werden?! Grundsätzlich einmal sicher nicht dort, wo wir es für gut empfinden, so dass wir in der Regel ein, zwei mal umparkieren müssen, bis es für alle passt. Ohne seine Personalien mindestens einmal in ein grosses, dickes Buch einzutragen geht sowieso gar nichts. Computer sind keine Selbstverständlichkeit, Papier und Unterlagen stapeln sich überall. Formulare ausfüllen ist ein grosses Thema, es wird oft und gerne verlangt, zu allen möglichen Zwecken. Personal ist immer sehr zahlreich vorhanden, Arbeit hingegen nicht zwingend, so dass man sich ganz offen mit seinem Handy oder mit Zeitunglesen die Zeit vertreibt. (Nicht so wie bei uns, wo man immer noch versucht möglichst beschäftigt auszusehen 🙂 Obwohl wir die Motivation oder gar Freude an der Arbeit bei Vielen vergeblich suchten, wurden wir doch meistens anständig behandelt. Schmiergeld oder Ähnliches war nie ein Thema. So hatten wir bisher keine wirklich schlechten Erfahrungen in diese Richtung. Mit etwas Geduld und dem Bewusstsein, nicht alles verstehen zu müssen, klappt das eigentlich ganz gut 🙂

Mit einem Chapa (30-Platz-Bus) fahren wir morgens um 5:00 Uhr von Maputo los nach Tofo. Wir können direkt beim Fatimaˋs Backpacker einsteigen. Dann geht’s erst Mal zum Busbahnhof in Maputo – der Bus muss ja noch gefüllt werden. Die pure Hektik bricht aus: es wir geschrien, um Tickets und Preise diskutiert, Leute steigen aus und ein, Gepäck wird hin und her gehieft, Händler/innen mit Brot, Äpfeln, Toilettenartikeln, Schmuck, Getränken, Cashewnüssen etc. klopfen an die Fenster des Busses… eine Stunde und zwei Runden über den Busplatz später ist der Bus voll und wir fahren los. Bis wir aus Maputo draussen sind, wird nochmals fleissig ein- uns ausgestiegen, so dass wir nach fast zwei Stunden erst ca. 10 km Strecke hinter uns gebracht haben. Doch dann geht’s los, wir kommen vorwärts. Als wir an einer Tankstelle WC-Pause machen, wird festgestellt, dass wir einen Platten haben. Gut, kann gleich hier repariert werden und bald geht’s. Der Reifen hält nicht lange, bald hört man es Knallen und wir halten wieder an. Der kaputte Reifen wird abmontiert und dank Zwillingsbereifung kann ja auch ohne diesen weitergefahren werden… Als wir uns dem Ziel langsam nähern, fängt das Ein- und Aussteigen wieder an … zum Teil in 20 Metern Abstand… nach elf (!) Stunden haben wir die 500 km geschafft und erreichen Tofo.

Tofo ist bekannt fürs Tauchen und Schnorcheln. Vor einigen Jahren war Tofo noch ein winziges Fischerdorf ohne jegliche touristische Infrastruktur. Heute hat es diverse Tauchschulen und zahlreiche Backpackers, Guesthouses und Lodges, die oft illegal am Strand erbaut wurden. Der Ort selbst ist aber immer noch sehr klein. Eingekauft wird auf dem Markt, der nächste Geldautomat ist 5 km entfernt.

Wir machen eine „Ocean Safari“ (Ausflug um mit Walhaien zu Schnorcheln). Leider finden wir keine Walhaie und können daher nicht ins Wasser. Dafür sehen wir einen Buckelwal. 🙂

Nach Tofo ist unser nächster Halt Vilankulo. Dort wollen wir nochmals Schnorcheln und die Inseln des Bazaruto Archipels besuchen. Mit dem Velo geht’s also nach Inhambane, von dort mit dem Boot nach Maxixe und dann per Bus nach Vilankulo. Wir nehmen einen grossen (chinesischen) Reisebus der von Maputo kommt. Es hat noch ein bisschen Platz und wir verladen die Velos und unser Gepäck unten im Gepäcksraum. Wir steigen ein uns sehen nur Menschen und Gepäck – überall! Statt der üblichen vier Sitze pro Reihe hat dieser Bus fünf. Die Sitzplätze und der Mittelgang fallen entsprechend schmaler aus. An ein normales Durchkommen im Gang ist eh nicht zu denken, dieser ist vollgestellt mit Reis- und Mehlsäcken, Taschen, Kartonschachteln und anderen Gepäcksstücken, die auf dem Schoss der Menschen und unter den Sitzen keinen Platz mehr fanden. Wir quetschen uns irgendwie durch das Gewusel und finde zwei freie Sitzplätze. Interessant wird’s, wenns ans Aussteigen geht. Im hintersten Teil des Busses befindet sich das Gepäcklager für die grossen Stücke, sogar ein Velo ist dabei 🙂 . Man muss also durch den winzigen Gang über diverse Taschen, Kanister und Rucksäcke klettern um seine Gepäcksstücke aus dem Haufen auszugraben…. Es ist ein ständiges Gequetsche und Gedränge, zum Glück ist unser Gepäck untern drin 🙂

 

Von zwei Schweizern, die wir zufällig in Maputo trafen, wurde uns Marimba als Unterkunft in Vilankulo empfohlen. Es liegt 20 km ausserhalb von Vilankulo im Busch. Mit dem Fahrrad kommen wir da nicht hin, da eine Sandpiste nach Marimba führt. Wir wissen aber, dass das Marimba-Team ihre Gäste in Vilankulo abholt, wenn man anruft. Nun ja, wir haben ja noch immer kein Telefon… Jonas vom „Tourismus Büro“ ist dann aber so nett und ruft für uns bei Marimba an, so dass wir bald darauf abgeholt werden.
Marimba wird von Marcel und Isabel aus der Schweiz geführt. Zusammen mit ihrem Team haben sie hier im Busch ein kleines Paradies aufgebaut. Die ruhige Anlage ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Ein Spazierweg führt in 3 Minuten hinunter zum unberührten Strand. Für den Ausflug auf die Inseln wird man direkt hier am Strand abgeholt. Wir verbringen hier ein paar schöne Tage in persönlicher Atmosphäre und geniessen das gute Essen – wir entdecken unserer Vorliebe für Krebs und Fisch! 🙂

 

 

 

Nelspruit – Komantipoort, 25.8.- 31.8.15

Endlich gehts wieder mit den Velos weiter. Die mozambikanische Grenze naht – zuerst machen wir aber ganz spontan für ein paar Tage einen Abstecher in den Krüger Nationalpark. Das stand eigentlich nicht auf dem Plan, aber als wir eines Morgens in Malelane (3 km vom Gate in den Krüger) direkt an einer Autovermietung vorbeiradelten sahen wir das als Zeichen und mieteten uns ein Auto. (Ja, schon wieder 🙂 ) Wir genossen die Tage und sahen viele schöne Tiere.

Die Frau von der Autovermietung war so begeistert von unserer Veloreise, dass sie unbedingt ein Foto von uns und unseren Velos wollte. Sie konnte es kaum glauben, dass all die Taschen, die wir aus dem Auto luden, nun an unseren Velos Platz finden. 🙂 tmp_4540-20150831204751001764467373

Wir radeln weiter bis nach Komantipoort, der letzten Ortschaft vor der Grenze. Meio plagt die Angst, es könnte in Mozambik vielleicht keine Burger mehr geben, so mussen wir in Komantipoort im Wimpy einen „letzten“ Burger essen gehen. 🙂 Im Wimpy treffen wir auf Tim. Er betrachtete unsere Velos neugierig, so kamen wir ins Gespräch. Er ist selbst begeisterter Velofahrer und fährt auch mehrtägige/-wöchige Velorennen überall in Afrika – das mit 65! Zusammen mit seiner Frau Annette macht er auch gern mehrwöchige Velotouren. Erst kürzlich sind sie von Maputo (Mozambik) nach Lüderitz (Namibia) geradelt. Sonst sind die Beiden auch gern mal einige Zeit mit dem Kanu auf dem Zambezi unterwegs. Zwei richtige Abenteurer, wie es scheint. Nebst all den Reisen führen die Beiden die Bushwise Safari Lodge in Marloth Park. Tim lädt uns ein heute bei Ihnen zu übernachten. Wir sagen zu, obwohl wir 25 km (in die „falsche“ Richtung) radeln müssen um die Lodge zu erreichen. Mit einem Burger im Magen ziehen die sich ganz schön hin…. aber es lohnt sich! 🙂 Als wir ankommen empfängt uns Annette herzlich. Wir bekommen ein tolles Zimmer mit Glasfront und erfrischen uns im Pool mit Blick in den Krüger Nationalpark. Annette besteht darauf, unsere dreckige Wäsche zu waschen – da sagen wir nicht nein 🙂 Es folgt ein Sundowner-Ausfahrt an der Krüger-Park-Grenze entlang und ein herrliches Abendessen unter freiem Sternenhimmel. Auf dem Weg in unser Zimmer sehen wir eine Gruppe Zebras, die direkt vor unserer Terrasse vorbei zieht. Zebras, Giraffen, diverse Antilopen, Strausse und Warzenschweine leben hier frei in der Gegend um Marloth Park. Herzlichen Dank an Tim und Annette für einen tollen Abend und eure Gastfreundschaft!

Am nächsten Morgen werden wir von einem Angestellten der Lodge noch zur Grenze begleitet, er will auf die Velos aufpassen, solange wir drinnen die Formalitäten erledigen und das Visa holen. Anscheinend habe es hier viele Diebe… es klappt alles wunderbar und nach dem dritten Anlauf, schaffen wir es nun endlich über die Grenze nach Mozambik! 🙂

Johannesburg – Nelspruit, 13.8.-24.8.15

Der Flug verläuft angenehm ruhig. Als wir zur Gepäckausgabe laufen, sehen wir schon unsere Velos auf uns warten. Auch sie scheinen den Flug unbeschadet überstanden zu haben. Wir mieten gleich am Flughafen ein Auto und quetschen unser Gepäck und die Velos in den  kleinen Toyota. Müde checken wir im nächst besten Motel ein.

Am nächsten Tag gehts wieder voll bepackt auf Veloshop suche. Nach den Strapazen des Fluges haben unserer Velos einen Service verdient und wir wollen die kaputten Felgen ersetzen lassen. Es erscheint uns alles riesig in Johannesburg – Einkaufscentren, Autohändler, Fastfood-Läden überall, kein Gehupe auf den Strassen, die Autos blitzsauber und neu – eine total andere Welt und so gar nicht mehr „afrikanisch“. Irgendwann finden wir auch einen der drei Veloshops, deren Adresse wir vorab herausgesucht hatten. Bei CycleLab scheinen unserer Velos in guten Händen zu sein. Wir lassen die Velos dort und werden sie in ein paar Tagen, wenn wir von unserem Ausflug in die Drakensberge zurück sind, wieder abholen.

Wir quartieren uns in Graskop im Valley View Backpacker ein, wo wir im Garten zelten. Graskop ist eine kleine Ortschaft auf 1500 m.ü.M. und ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Gegend um den Blyde River Canyon. Wir besichtigen verschiedene Wasserfälle, die Three Rondavels  (drei rundliche Felsformationen im Blyde River Canyon) und spazieren durch den „Rain Forest“.

Wir geniessen das angenehme, vertraute Klima hier – kein ständiges schwitzen mehr, wie im Senegal. Es ist tagsüber schön warm (ca. 23 Grad), abends kühlts dann ziemlich ab (ca. 3 Grad), es ist ja immerhin Winter hier in Südafrika. Wir sind froh, dass wir unsere Wollsocken haben. 🙂

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Nach den Tagen in Graskop geht’s zurück nach Johannesburg. Wir geben das Auto ab, holen unsere Velos und nehmen dann bald den Bus nach Nelspruit. Wir wollen nicht länger als nötig in Johannesburg bleiben. Die Häuser sind eingezäunt, eingemauert und elektrisch gesichert. Zum Teil sind Zufahrten zu Wohnquartieren mit Schranken und einem Wachmann abgeriegelt. Für die letzte Nacht in Johannesburg suchen wir uns ein Hotel im Stadtzentrum in der Nähe des Busbahnhofs. (Die anderen Nächte hatten wir in einem Motel etwas ausserhalb geschlafen.) Als wir eine Pension betreten um nach dem Preis zu fragen, kommen wir uns vor, wie im Eingangsbereich eines Gefängnisses. Nebst den üblichen Gittern beim Eingang und vor dem Schalter ist hier der Zugang zu den Zimmern gar mit einem Tor, das mittels Fingerabdruck geöffnet werden muss, gesichert… Das ist uns irgendwie too much, wirkt nicht gerade einladend… ist das wirklich nötig?? Wirklich unsicher fühlen wir uns hier eingentlich nicht, sind aber auch nur tagsüber unterwegs. Wir entscheiden uns dann aber trotzdem für ein etwas besseres Hotel (durchaus auch gesichert und bewacht, aber auf eine nicht ganz so irritierende Art) mit Dachterasse und Pool. 🙂 Es ist ausserdem noch näher am Busbahnhof, denn wir müssen morgens um 6:00 mit den Velos dahin radeln, um den Bus nach Nelspruit zu erwischen.

In Nelspruit wollen wir nun das Visum für Mozambik beantragen. Die nette Dame am Schalter will dafür aber unbedingt ein Einladungsschreiben von unserer ersten Unterkunft in Mosambik sehen. Sowas haben wir natürlich nicht. Wir versuchens dann mit einem selbstgeschriebenen Zettel – funktioniert aber nicht, sie will eine Telefonnummer um das zu überprüfen. Nun ja, man kanns ja probieren 🙂 Sie meint aber, dass wir an der Grenze auch ohne dieses Einladungschreiben ein Visum bekommen. So werden wir das Visum dann also an der Grenze besorgen. (Allenfalls mit einem echter aussehenden Einladungsschreiben im Gepäck 🙂 ) Ist uns eh recht, da wir nur ein Visum für 30 Tage erhalten, verlieren wir so nicht noch Zeit, bis wir von Nelspruit an der Grenze sind. Das heisst dann wohl wieder Busfahren in Mosambik, denn die 1800 km bis nach Malawi werden wir wohl sonst nicht in 30 Tagen schaffen. Wir wollen ja auch noch etwas schnorcheln gehen an den schönen Stränden und Inseln Mozambiks und nicht nur radeln. 🙂

 

 

 

 

Dakar, 9.8.-13.8.15

Es regnet. Heftig. Die Strassen Dakars füllen sich mit Wasser und verwandeln sich in Bäche. Stellenweise steht das Wasser hüfthoch in den Strassen. Für uns spektakulär anzusehen, für die Einwohner Dakars Normalität in der Regenzeit. Nach einem Tag ist der Spuk vorbei und wir machen eine kleine Besichtigungstour.

Die letzte Nacht vor dem Abflug verbringen wir im Hotel Sunungal, wo wir ja vor zwei Wochen unsere Velos zurückgelassen hatten. Sie sind noch da und es geht ihnen gut 🙂 Nun gehts ans umpacken für den Flug. Wir hatten uns auf dem Markt in Kaolak zwei riesige Taschen besorgt, wo ein Grossteil unserer Velotaschen nun bequem Platz darin finden. Die Velos müssen ausserdem flugtauglich gemacht werden: Lenker quer Stellen, Luft aus den Reifen lassen, Hörner, Spiegel, Kette, Wechsler abmontieren und zum Schluss stellenweise mit Karton einkleiden.

Unser Flug geht bereits um kurz vor sieben Uhr morgens – d.h. wir brechen um 3:30 zum Flughafen auf. Das Hotel Sunungal hat uns extra einen Fahrer mit einem grossen Auto organisiert, der Velos, Gepäck und uns zum Flughafen chauffiert. Die Veloaufgabe am Check-in-Schalter läuft erfreulich problemlos. Wir müssen die Velos lediglich noch einfolieren lassen – trotz dem ganzen Karton. Warum genau das zusätzlich nötig ist, kann uns aber keiner erklären. Auf die Frage „Warum?“ erhalten wir hier in Afrika sowieso höchst selten eine ergiebige Antwort – die Dinge sind einfach so wie sie sind, egal wieso 🙂
Wir verlassen den Senegal nur ungern, das Land ist uns doch irgendwie ans Herz gewachsen, obwohl nicht alles so lief wie geplant. Die frischen, saftigen Mangos werden Livia fehlen, Meio hingegen ist froh, wenn er nicht mehr ständig Bissap (Hibiskusblüten-Getränk) trinken muss. 🙂

 

 

St. Louis – Dakar, 22.7.15 – 9.8.15

Wir bleiben noch einige Tage in der Zebrabar bevor wir uns wieder auf die Räder schwingen und Richtung Dakar aufbrechen. Wir merken, dass wir langsam in tropisches Gebiet kommen: die Landschaft wird grüner (es wächst sogar Gras! :)) und die Luftfeuchtigkeit steigt. Wir schwitzen ständig, auch wenn wir nicht Velofahren. Wir werden von den „Toubab, Toubab“-Rufen („Weisser/Weisse“ auf Wolof) der Kinder begleitet wenn wir durch die Dörfer fahren.


Das Strassenbild Dakars ist laut, bunt, nach Abgas stinkend, chaotisch, vollgestopft, musikerfüllt. Pferdekarren, Busse (wunderschön bunt bemalt), Fussgänger, Mopedfahrende und Autos in allen Grössen, Preisklassen und „Verfallsstadien“ drängen sich aneinander vorbei. Mitten drin zwei Velofahrende 🙂 30 km Stadtverkehr müssen wir hinter uns bringen, bis wir in zentrumsnähe sind – Horror und Faszination zugleich.

Wir entscheiden uns spontan ein Auto zu mieten und damit den südlicheren Teil Senegals und Gambia zu erkunden. Am Flughafen finden wir nebst alle gängigen Autovermietern auch eine kleine lokale Firma. Nach etwas handeln bekommen wir von ihr das beste Angebot. Es folgt das Üblichen hin und her und etwas Warterei bis der Chef eintrifft um mit uns das Schriftliche zu regeln (die anderen drei Herren im winzigen Büro sind dazu wohl nicht bemächtigt…). Ordnungsgemäss will man auch einen Führerschein sehen, den Meio blöderweise im Hotel gelassen hat. Nun gut, improvisieren ist angesagt. Ein Blick ins Portemonnaie zeigt, dass da ja diverse andere Kärtchen vorhanden sind… so geben wir kurzerhand den Blutspender-Ausweis als Führerschein aus – und es klappt wunderbar 🙂 Bald darauf können wir mit unserem Ford Figo losdüsen. (Die Velos sind sicher im Hotel Sunungal untergestellt, bis wir sie in zwei Wochen wieder abholen)

Wir fahren los Richtung Sine-Saloum-Delta und Gambia. Pünktlich mit unserem (kurzzeitigen) Wechsel zum Auto als Fortbewegungsmittel setzt auch der Regen ein – heftig, langanhaltend und in regelmässigen Abständen. Oft haben wir an heissen Velofahrtagen von einem erfrischenden Regenguss geträumt. Angesichts diesen Regenmengen sind wir aber nicht traurig jetzt im Auto zu sitzen.

Die Strassen sind in sehr schlechtem Zustand und werden je länger je schlechter je weiter in den Süden wir kommen. Selbst Nationalstrassen sind oft nicht geteert und falls doch, mit riesigen Schlaglöchern übersäht. Der Regen tut sein Übriges dazu. Wir wussten zwar, dass die Strassen nicht gut sein werden, aber mit so etwas haben wir nicht gerechnet. Wir müssen einsehen, dass wir es nicht bis Gambia schaffen werden mit diesem Auto. Wir wollen nicht gebrochener Achse am Strassenrand stehen, wie so viele andere, an denen wir vorbeifahren…

Wir kehren also um. Auf dem Rückweg nach Dakar verbringen wir einige Tage in Kaolak, Zentrum der senegalesichen Erdnussindustrie. Danach quartieren wir uns für einige Tag in Popenguine ein. Ein netter kleiner Ort am Meer. Wir kommen im Maison d´Hotes Ebéne unter. Eine schöne, kleine, liebevoll gestaltete Bungalow-Anlage. Zum Frühstück werden wir jeweils mit warmem Brot und frischen Mangos verwöhnt.

Von hier aus machen wir auch eine Ausflug ins Reserve de Bandia, ein Tier- und Naturschutz Reservat.

Die letzten Tage bevor wir das Land der Mangos und Baobabs verlassen verbringen wir in Dakar. Im Wohnviertel Yoff am Strand zeigt uns Dakar seine ruhigere Seite. Wir nächtigen hier bei Ruth aus Bern im Hotel Keur Diame.

 

 

 

 

 

 

 

Diama – St. Louis, 18.7.-22.7.15

Die Grenze zum Senegal ist schnell und problemlos überquert. Es ist ein kleiner und sehr ruhiger Grenzübergang. Als wir schon fast losfahren wollen, fällt uns ein, dass wir ja noch unsere Ouguyas (Mauretanische Währung) loswerden müssen. Die sonst so zahlreichen Geldwechsler an den Grenzen fehlen hier völlig – jetzt, da man sie mal brauchen würde. Wir finden aber einen Grenzbeamten der uns wechseln kann. Hmm, hat den Senegal bereits den CFA (Westafrikanischer France)? Und zu welchem Wechselkurs können wir tauschen? Wir haben keine Ahnung und müssen uns einfach darauf verlassen nicht allzusehr übers Ohr gehauen zu werden 🙂 Als wir gerade wieder losfahren wollen, kommt uns eine Herde Kamele entgegen und wir müssen schauen, dass wir nicht unter die Hufe kommen. Die Tiere sind riesig! Wir kommen uns richtig klein vor mit unseren Rädern, wie wir da so zwischen den Kamelen stehen.
Die Strecke nach St. Louis ist schnell zurückgelegt. Die Strasse ist neu geteert und wir flitzen nur so über den Asphalt. Senegal ist im Vergleich zu Mauretanien schon fast sauber. Die Läden und Tankstellen sind schön und klar beschriftet, die Kühlschränke in den Shops sind nicht mehr nur Stauraum sondern kühlen auch tatsächlich, es gibt Treppen und die Häuser sind gepflegt und bunt gestrichen. Toll, wir fühlen uns gleich wohl! 🙂
Wir fahren durch St. Louis zum Campingplatz „Zebrabar“, der von Martin und Ursula aus der Schweiz geführt wird. Am Eingangstor steht ein gelber Toyota: Mareike und Andreas sind auch da! 🙂 Es ist ein wunderschöner Ort hier, direkt am Senegalfluss gelegen – eine richtige Oase. Der Campingplatz liegt im Parc National de la Langue de Barbarie. Vom hauseigenen Aussichtsturm hat man einen herrlichen Blichk über die Gegend bis zum Atlantik. Es hat viele bunte Vögel und hie und da kommen Affen und Leguane zu Besuch. Am Flussufer wimmelt es von kleinen Krebsen. Am Abend kommen auch Krebse an Land, diese sind dann allerdings ziemlich gross und krabbeln überall rum – auch im Zelt! Wir bleiben einige Tage hier, lassen Livias Eiterblasen an den Knöcheln ausheilen und planen unser weiteres Vorgehen. Wie solls nach Senegal und Gambia weitergehen?

 

Wir haben uns nun entschieden nicht nach Mali zu reisen. Die Sicherheitslage ist uns zu heikel um mit dem Velo durchzufahren. Der Küste entlang weiter runter kommt für uns auch nicht in Frage, da wir dann durch Ebolagebiet (Guinea, Sierra Leona, Liberia) müssten. Dies nicht vorrangig wegen der Ansteckungsgefahr – die Lage scheint sich ja Grösstenteils entspannt zu haben –  sondern weil es wohl nicht einfach werden würde mit Stempeln aus diesen Ländern im Pass weiter zu reisen. So kommen wir also über Land nicht mehr weiter, wir müssen fliegen. Mit  den Fahrrädern wollen wir nicht zu oft fliegen und vorallem nicht umsteigen müssen. Laut unseren Recherchen kann so eine Flugreise für Velos recht belastend sein und es kommt nicht selten vor, dass auch mal was (kleines) kaputt geht. Nachdem wir diverse Flugverbindungen ab Dakar abgeklärt haben, bleibt zu unserer Enttäuschung als einzige vernünftige Verbindung nur Johannesburg übrig. Das ist uns eigentlich schon viel zu weit südlich. Wir freunden uns dann aber doch mit dem Gedanken an. Irgendwo zu sein, wo wir uns schon ein wenig auskennen, erscheint uns plötzlich verlockend. Wir merken, dass wir eine kleine Pause brauchen und beschliessen in Südafrika gleich etwas „Veloferien“ zu machen. Mit einem kleine Mietauto werden wir ein paar Tage etwas rumfahren – viellecht nach St. Lucia ans Meer, wo es uns letztes Mal sehr gut gefallen hat. Danach solls dann mit frischer Energie mit den Velos durch Mozambique Richtung Malawi und Sambia gehen.

Es ist toll, täglich so viel Neues zu sehen, Menschen zu begegnen und mit dem Velo unterwegs zu sein, aber auch wahnsinnig anstrengend. Wo schlafen wir heute? Haben wir genügend Wasser? Wo können wir Essen einkaufen? Sind die Strassenverhältnisse velotauglich? Fragen, die täglich beanwortet werden wollen. So oft angebettelt zu werden setzt uns auch etwas zu, es ist schwierig, da den richtigen Umgang zu finden. Wir sind Wind, Wetter und Menschen dirket ausgesetzt – ein eigentlicher Rückzugsort fehlt. Aber das wollten wir ja 🙂