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Monkey Bay – Mchinji, 9.10.15 – 14.10.15

Von Monkey Bay nehmen wir die 250 km bis Lilongwe in Angriff. Eigentlich haben wir es ja nicht so mit Städten und da wir ausnahmsweise mal kein Visum besorgen müssen (Zambia Visum gibt’s an der Grenze) dachten wir erst daran, Lilongwe zu umfahren. Die Verlockung mal wieder in einem Supermarkt einkaufen zu können ist dann aber doch zu gross, denn unterwegs verpflegen wir uns in winzigen Läden am Strassenrand, deren Angebot sehr beschränkt ist…und da der direkteste Weg zur zambischen Grenze eh durch Lilongwe führt, steuern wir nun Malawis Hauptstadt an. Ausserdem brauchen wir Sonnencreme-Nachschub. 🙂

In den drei Fahrtagen bis nach Lilongwe überwinden wir 1´900 Höhenmeter Anstieg (1´100 davon in nur einem Tag!), hören tausende Kinder „Give-me“ rufen und kaufen – mangels Alternativen – unzählige 0,5-l-Wasserflaschen. (Das Wasser aus den Brunnen ist nicht immer geniessbar und schmeckt manchmal irgendwie schleimig…)
Die Rufe der Kinder beschränken sich anfangs zum Teil noch  auf „Muzungu!“ (Weisser/Weisse), doch bald wird daraus ein „Give me money!“ oder „Give me bottle!“ bis es dann zu einem schlichten „Give me!“ wird. Zum Teil bricht eine richtige Hysterie aus: die Kinder kommen rufend vom hintersten Zipfel des Dorfes angerannt und schreien uns noch hinterher, wenn wir schon längst durch den Ort geradelt sind. Selbst wenn wir grüssen und winken (was uns jedoch spätestens bei den schlichten „Give-me“-Rufen vergangen ist…) beruhigen sie sich nicht. Wir wundern uns, wie sie uns schon immer von so weit her sehen können… vermutlich haben sie die Rufe der Kinder vom Nachbardorf vernommen… Malawi ist so dicht besiedelt, dass wir kaum unbewohnte Gegenden passieren. Entsprechend nervenaufreibend wird die ganze Sache mit der Zeit. Unserer Reaktionen sind vielfältig – je nach Laune und Tagesverfassung. Oft ignorieren wir die Rufe einfach, manchmal gibt’s ein Lächeln und ein zuckersüsses „No“ zur Antwort, hie und da fällt das „No“ aber auch etwas strenger aus oder wir antworten als Echo und rufen „Give me, Give me!“ zurück. Wir müssen uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass es Kinder sind und sie am wenigsten für diese unangenehme Situation können. Die Erwachsenen reagieren in der Regel nicht auf die Rufe der Kinder. Hie und da kommt gar von einem Erwachsenen ein „Give me money“. Diese lassen wir dann unseren Unmut eher spüren und haben es auch schon mit der Rückfrage „Warum / Was soll das?“ versucht. Antworten kommen aber keine…
Die Hintergründe für dieses Phänomen, das uns ja doch schon seit Marokko immer wieder begleitet, sind sehr vielfältig und schwer zu ergründen. Einerseits ist es wohl der Tourismus und der Irrglaube vieler Touristen mit Geschenken für die „armen afrikanischen Kinder“ etwas Gutes zu tun. Übertriebene Trinkgelder erwecken auch den Eindruck, in Europa wachse das Geld auf Bäumen. Andererseits tun wohl auch die zahlreichen Hilfsprojekte ihren Teil dazu. Immer wieder sehen wir Tafeln die Gesundheits-, Wasser-, Schul- und Strassenbau-Projekte anzeigen – mit freundlicher Unterstützung diverser Organisationen aus europäischen Ländern, den USA, hie und da auch aus dem asiatischen Raum oder der katholischen Kirche. Selbstverständlich ist es toll, wenn Gesundheitszentren, Brunnen und Schulen gebaut werden. Das Miteinander und die Nachhaltigkeit ist aber unserer Meinung das A und O solcher Projekte. Das Bild des „Weissen“ der kommt und gibt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten ist hier wahnsinnig tief in den Köpfen vieler Menschen verankert.
So nähern wir uns also langsam Lilongwe und übernachten einmal auf dem Campingplatz einer Missionsstation und finden für die zweite Nacht Unterschlupf in einem Mädchen-Internat. Die Lust, in den Dörfern zu übernachten ist nach all den Rufen tagsüber nicht all zu gross und wir sind froh, wenn wir am Abend unserer Ruhe haben. Die Menschen sind im direkten Kontakt (beim Einkaufen oder in der Mittagspause) aber sehr freundlich und wir fühlen uns trotz allem nicht unsicher oder unwohl.
In Lilongwe quartieren wir uns auf dem (überteuerten) Campingpatz des Mabuya Camps ein. Wir machen zwei Tage Pause hier. Unser Material braucht etwas Pflege (Zeltreissverschluss und Zelthülle flicken, Kocher putzen, Plane waschen, Schrauben am Velo checken, da schon einige durch das ständige Rütteln auf der Strecke blieben… 🙂 ) und wir geniessen den Pool und den nahen Supermarkt. Die Brotvielfalt ist auch hier etwas spärlich, aber immerhin gibt’s Verschiedenes zum dazu essen 🙂


Dann radeln wir weiter Richtung Zambia. Die „Give-me“-Rufe nehmen merklich ab – die Gegend ist auch etwas dünner besiedelt. Die roten Ziegelhüttchen werden zu richtigen kleine Häusern. Die Ziegel dazu werden in diversen Ziegelöfen selbst hergestellt. Auf der Strasse sind wir noch immer in bester Gesellschaft: Radfahrende und Velotaxis überall. Das Velo ist Transportmittel für alles – vom Schwein über Ziegen bis zu Brennholz, Holzkohlesäcke und Wasserkanister (bis zu sechs 20-Liter-Kanister, das sind 120 kg…!) wird hier alles auf dem Velo befördert.

Wir nähern uns in Windeseile der zambischen Grenze und bereits am Nachmittag um 14:00 haben wir die letzten 120km in Malawi hinter uns gebracht. Wie schon bei der Einreise kann ich die ganzen Formalitäten für uns beide wieder alleine regeln – Meio ist also nach Malawi ein- und ausgereist ohne dass ihn auch nur ein Zollbeamter direkt zu Gesicht bekommen hat 🙂 Trotz den „Give-me“-Rufen hat uns Malawi gut gefallen und es war toll mal wieder ein Land nur per Velo zu bereisen – und jetzt freuen wir uns auf Zambia.