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Monkey Bay – Mchinji, 9.10.15 – 14.10.15

Von Monkey Bay nehmen wir die 250 km bis Lilongwe in Angriff. Eigentlich haben wir es ja nicht so mit Städten und da wir ausnahmsweise mal kein Visum besorgen müssen (Zambia Visum gibt’s an der Grenze) dachten wir erst daran, Lilongwe zu umfahren. Die Verlockung mal wieder in einem Supermarkt einkaufen zu können ist dann aber doch zu gross, denn unterwegs verpflegen wir uns in winzigen Läden am Strassenrand, deren Angebot sehr beschränkt ist…und da der direkteste Weg zur zambischen Grenze eh durch Lilongwe führt, steuern wir nun Malawis Hauptstadt an. Ausserdem brauchen wir Sonnencreme-Nachschub. 🙂

In den drei Fahrtagen bis nach Lilongwe überwinden wir 1´900 Höhenmeter Anstieg (1´100 davon in nur einem Tag!), hören tausende Kinder „Give-me“ rufen und kaufen – mangels Alternativen – unzählige 0,5-l-Wasserflaschen. (Das Wasser aus den Brunnen ist nicht immer geniessbar und schmeckt manchmal irgendwie schleimig…)
Die Rufe der Kinder beschränken sich anfangs zum Teil noch  auf „Muzungu!“ (Weisser/Weisse), doch bald wird daraus ein „Give me money!“ oder „Give me bottle!“ bis es dann zu einem schlichten „Give me!“ wird. Zum Teil bricht eine richtige Hysterie aus: die Kinder kommen rufend vom hintersten Zipfel des Dorfes angerannt und schreien uns noch hinterher, wenn wir schon längst durch den Ort geradelt sind. Selbst wenn wir grüssen und winken (was uns jedoch spätestens bei den schlichten „Give-me“-Rufen vergangen ist…) beruhigen sie sich nicht. Wir wundern uns, wie sie uns schon immer von so weit her sehen können… vermutlich haben sie die Rufe der Kinder vom Nachbardorf vernommen… Malawi ist so dicht besiedelt, dass wir kaum unbewohnte Gegenden passieren. Entsprechend nervenaufreibend wird die ganze Sache mit der Zeit. Unserer Reaktionen sind vielfältig – je nach Laune und Tagesverfassung. Oft ignorieren wir die Rufe einfach, manchmal gibt’s ein Lächeln und ein zuckersüsses „No“ zur Antwort, hie und da fällt das „No“ aber auch etwas strenger aus oder wir antworten als Echo und rufen „Give me, Give me!“ zurück. Wir müssen uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass es Kinder sind und sie am wenigsten für diese unangenehme Situation können. Die Erwachsenen reagieren in der Regel nicht auf die Rufe der Kinder. Hie und da kommt gar von einem Erwachsenen ein „Give me money“. Diese lassen wir dann unseren Unmut eher spüren und haben es auch schon mit der Rückfrage „Warum / Was soll das?“ versucht. Antworten kommen aber keine…
Die Hintergründe für dieses Phänomen, das uns ja doch schon seit Marokko immer wieder begleitet, sind sehr vielfältig und schwer zu ergründen. Einerseits ist es wohl der Tourismus und der Irrglaube vieler Touristen mit Geschenken für die „armen afrikanischen Kinder“ etwas Gutes zu tun. Übertriebene Trinkgelder erwecken auch den Eindruck, in Europa wachse das Geld auf Bäumen. Andererseits tun wohl auch die zahlreichen Hilfsprojekte ihren Teil dazu. Immer wieder sehen wir Tafeln die Gesundheits-, Wasser-, Schul- und Strassenbau-Projekte anzeigen – mit freundlicher Unterstützung diverser Organisationen aus europäischen Ländern, den USA, hie und da auch aus dem asiatischen Raum oder der katholischen Kirche. Selbstverständlich ist es toll, wenn Gesundheitszentren, Brunnen und Schulen gebaut werden. Das Miteinander und die Nachhaltigkeit ist aber unserer Meinung das A und O solcher Projekte. Das Bild des „Weissen“ der kommt und gibt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten ist hier wahnsinnig tief in den Köpfen vieler Menschen verankert.
So nähern wir uns also langsam Lilongwe und übernachten einmal auf dem Campingplatz einer Missionsstation und finden für die zweite Nacht Unterschlupf in einem Mädchen-Internat. Die Lust, in den Dörfern zu übernachten ist nach all den Rufen tagsüber nicht all zu gross und wir sind froh, wenn wir am Abend unserer Ruhe haben. Die Menschen sind im direkten Kontakt (beim Einkaufen oder in der Mittagspause) aber sehr freundlich und wir fühlen uns trotz allem nicht unsicher oder unwohl.
In Lilongwe quartieren wir uns auf dem (überteuerten) Campingpatz des Mabuya Camps ein. Wir machen zwei Tage Pause hier. Unser Material braucht etwas Pflege (Zeltreissverschluss und Zelthülle flicken, Kocher putzen, Plane waschen, Schrauben am Velo checken, da schon einige durch das ständige Rütteln auf der Strecke blieben… 🙂 ) und wir geniessen den Pool und den nahen Supermarkt. Die Brotvielfalt ist auch hier etwas spärlich, aber immerhin gibt’s Verschiedenes zum dazu essen 🙂


Dann radeln wir weiter Richtung Zambia. Die „Give-me“-Rufe nehmen merklich ab – die Gegend ist auch etwas dünner besiedelt. Die roten Ziegelhüttchen werden zu richtigen kleine Häusern. Die Ziegel dazu werden in diversen Ziegelöfen selbst hergestellt. Auf der Strasse sind wir noch immer in bester Gesellschaft: Radfahrende und Velotaxis überall. Das Velo ist Transportmittel für alles – vom Schwein über Ziegen bis zu Brennholz, Holzkohlesäcke und Wasserkanister (bis zu sechs 20-Liter-Kanister, das sind 120 kg…!) wird hier alles auf dem Velo befördert.

Wir nähern uns in Windeseile der zambischen Grenze und bereits am Nachmittag um 14:00 haben wir die letzten 120km in Malawi hinter uns gebracht. Wie schon bei der Einreise kann ich die ganzen Formalitäten für uns beide wieder alleine regeln – Meio ist also nach Malawi ein- und ausgereist ohne dass ihn auch nur ein Zollbeamter direkt zu Gesicht bekommen hat 🙂 Trotz den „Give-me“-Rufen hat uns Malawi gut gefallen und es war toll mal wieder ein Land nur per Velo zu bereisen – und jetzt freuen wir uns auf Zambia.

Vilankulos – Zobue, 15.9.15 – 29.9.15

Wir verbringen noch fast eine weitere Woche auf Marimba. Meio hilft beim Wasserturm reparieren und auch sein Flip-Flop muss bereits zum 2. Mal genäht werden… 🙂 Doch dann müssen wir los – unser Visum läuft am 30.9. ab. 🙂

In Pambara (20 km von Vilankulos an der Hauptstrasse) halten viele Lastwagen und Busse an um sich zu verpflegen. Ein guter Punkt also um eine Mitfahrgelegentheit zu finden. So finden wir einen Truck, der uns bis nach Inchope mitnimmt. Es ist eine luxuriöse Art zu reisen: wir haben massig Platz und können es uns auf der Liege des Fahrers gemütlich machen. Herrlich, so vergehen die 7 Stunden Fahrt wir im Flug. Als wir in Inchope ankommen ist es bereits dunkel. Die Strasse ist gesäumt von Lastwagen, die hier die Nacht verbringen – entsprechend viele Baren und Restaurants befinden sich hier. Dank der Hilfe unseres Fahrers finden wir sogar eine „Bungalow-Anlage“, wo wir unser Zelt aufstellen können.

Am nächsten Morgen schwingen wir uns zur Abwechslung mal wieder auf die Räder und fahren bis nach Chimoio. Wir geniessen den Tag – schön, mal wieder zu radeln 🙂

Aus zeitlichen Gründen gehts dann aber ab Chimoio wieder mit dem Truck weiter bis nach Tete. Diesesmal fahren nebst uns noch zwei Männer mit. Es ist wieder eine angenehme Reise. Wir können uns etwas mehr mit unseren Mitreisenden unterhalten, da diese etwas Englisch sprechen. Unser portugiesisch gibt leider immernoch nicht viel her … 😉 Nach zwei Stunden Fahrt gibts Zwangspause: Ein Lastwagen ist umgekippt und blockiert die Strasse. Wir ahnen nichts Gutes und stellen uns auf eine lange Wartezeit ein… aber bereits nach einer guten Stunde können wir wieder los 🙂

Zügig geht die Fahrt dann weiter – immer mal wieder unterbrochen von Polizeikontrollen. Wir drei, die auf dem „Rücksitz“ sitzen machen uns dann immer möglichst klein, damit man uns nicht schon von aller Weite sieht…. wohl damit der Fahrer etwas weniger Schmiergeld zahlen muss, denn dass bei diesen Kontrollen Geld den Besitzer wechselt, ist völlig normal. Kurz nach Mittag kommen wir in Tete an. Es hat hier einen Campingplatz direkt am Zambezi – toll! 🙂

Wir bleiben einen Tag in Tete und lassen Meios Veloständer reparieren, der vor einigen Tagen abgebrochen ist.

Am nächsten Morgen radeln wir dann wieder los. Bis zur malawischen Grenze sind es noch gut 120 km, die wir in zwei Tagen zurücklegen. Die Landschaft ist hügelig. Die Menschen sind sehr nett. Wir werden freundlich gegrüsst, interessiert beobachtet und auch oft fotografiert – wir fühlen uns fast wie Promis 🙂 Vorallem Kinder können sich kaum an uns sattsehen. Wenn wir irgendwo Pause machen oder einkaufen sind wir umringt von Menschen. Aber sie sind niemals aufdringlich und es wir auch nicht gebettelt. So macht das Velofahren richtig Spass und Freude. Unsere letzte Nacht in Mozambik verbringen wir in einem kleine Dorf im Hinterhof eines Ladens. Wir haben einen schönen Platz für uns und können in aller Ruhe kochen. Immer wieder hört man es hinter dem Strohzaun rascheln und Kinderköpfe tauchen auf, die unter Gekicher wieder verschwinden kaum dass sich unsere Blicke in ihre Richtung wenden.

Mit dem Sonnenaufgang (5:30) machen wir uns auf, die letzten 40 km bis zur Grenze hinter uns zu bringen. Es sind zähe 40 km für die wir fast 4 Stunden brauchen! Ein Hügel nach dem anderen, rauf und runter, rauf und runter…  müde kommen wir dann aber trotzdem noch vor dem Mittag an der Grenze an. Tschüss Mozambik – schön wars, wir kommen wieder 😉

 

 

 

 

Nelspruit – Komantipoort, 25.8.- 31.8.15

Endlich gehts wieder mit den Velos weiter. Die mozambikanische Grenze naht – zuerst machen wir aber ganz spontan für ein paar Tage einen Abstecher in den Krüger Nationalpark. Das stand eigentlich nicht auf dem Plan, aber als wir eines Morgens in Malelane (3 km vom Gate in den Krüger) direkt an einer Autovermietung vorbeiradelten sahen wir das als Zeichen und mieteten uns ein Auto. (Ja, schon wieder 🙂 ) Wir genossen die Tage und sahen viele schöne Tiere.

Die Frau von der Autovermietung war so begeistert von unserer Veloreise, dass sie unbedingt ein Foto von uns und unseren Velos wollte. Sie konnte es kaum glauben, dass all die Taschen, die wir aus dem Auto luden, nun an unseren Velos Platz finden. 🙂 tmp_4540-20150831204751001764467373

Wir radeln weiter bis nach Komantipoort, der letzten Ortschaft vor der Grenze. Meio plagt die Angst, es könnte in Mozambik vielleicht keine Burger mehr geben, so mussen wir in Komantipoort im Wimpy einen „letzten“ Burger essen gehen. 🙂 Im Wimpy treffen wir auf Tim. Er betrachtete unsere Velos neugierig, so kamen wir ins Gespräch. Er ist selbst begeisterter Velofahrer und fährt auch mehrtägige/-wöchige Velorennen überall in Afrika – das mit 65! Zusammen mit seiner Frau Annette macht er auch gern mehrwöchige Velotouren. Erst kürzlich sind sie von Maputo (Mozambik) nach Lüderitz (Namibia) geradelt. Sonst sind die Beiden auch gern mal einige Zeit mit dem Kanu auf dem Zambezi unterwegs. Zwei richtige Abenteurer, wie es scheint. Nebst all den Reisen führen die Beiden die Bushwise Safari Lodge in Marloth Park. Tim lädt uns ein heute bei Ihnen zu übernachten. Wir sagen zu, obwohl wir 25 km (in die „falsche“ Richtung) radeln müssen um die Lodge zu erreichen. Mit einem Burger im Magen ziehen die sich ganz schön hin…. aber es lohnt sich! 🙂 Als wir ankommen empfängt uns Annette herzlich. Wir bekommen ein tolles Zimmer mit Glasfront und erfrischen uns im Pool mit Blick in den Krüger Nationalpark. Annette besteht darauf, unsere dreckige Wäsche zu waschen – da sagen wir nicht nein 🙂 Es folgt ein Sundowner-Ausfahrt an der Krüger-Park-Grenze entlang und ein herrliches Abendessen unter freiem Sternenhimmel. Auf dem Weg in unser Zimmer sehen wir eine Gruppe Zebras, die direkt vor unserer Terrasse vorbei zieht. Zebras, Giraffen, diverse Antilopen, Strausse und Warzenschweine leben hier frei in der Gegend um Marloth Park. Herzlichen Dank an Tim und Annette für einen tollen Abend und eure Gastfreundschaft!

Am nächsten Morgen werden wir von einem Angestellten der Lodge noch zur Grenze begleitet, er will auf die Velos aufpassen, solange wir drinnen die Formalitäten erledigen und das Visa holen. Anscheinend habe es hier viele Diebe… es klappt alles wunderbar und nach dem dritten Anlauf, schaffen wir es nun endlich über die Grenze nach Mozambik! 🙂

Dakar, 9.8.-13.8.15

Es regnet. Heftig. Die Strassen Dakars füllen sich mit Wasser und verwandeln sich in Bäche. Stellenweise steht das Wasser hüfthoch in den Strassen. Für uns spektakulär anzusehen, für die Einwohner Dakars Normalität in der Regenzeit. Nach einem Tag ist der Spuk vorbei und wir machen eine kleine Besichtigungstour.

Die letzte Nacht vor dem Abflug verbringen wir im Hotel Sunungal, wo wir ja vor zwei Wochen unsere Velos zurückgelassen hatten. Sie sind noch da und es geht ihnen gut 🙂 Nun gehts ans umpacken für den Flug. Wir hatten uns auf dem Markt in Kaolak zwei riesige Taschen besorgt, wo ein Grossteil unserer Velotaschen nun bequem Platz darin finden. Die Velos müssen ausserdem flugtauglich gemacht werden: Lenker quer Stellen, Luft aus den Reifen lassen, Hörner, Spiegel, Kette, Wechsler abmontieren und zum Schluss stellenweise mit Karton einkleiden.

Unser Flug geht bereits um kurz vor sieben Uhr morgens – d.h. wir brechen um 3:30 zum Flughafen auf. Das Hotel Sunungal hat uns extra einen Fahrer mit einem grossen Auto organisiert, der Velos, Gepäck und uns zum Flughafen chauffiert. Die Veloaufgabe am Check-in-Schalter läuft erfreulich problemlos. Wir müssen die Velos lediglich noch einfolieren lassen – trotz dem ganzen Karton. Warum genau das zusätzlich nötig ist, kann uns aber keiner erklären. Auf die Frage „Warum?“ erhalten wir hier in Afrika sowieso höchst selten eine ergiebige Antwort – die Dinge sind einfach so wie sie sind, egal wieso 🙂
Wir verlassen den Senegal nur ungern, das Land ist uns doch irgendwie ans Herz gewachsen, obwohl nicht alles so lief wie geplant. Die frischen, saftigen Mangos werden Livia fehlen, Meio hingegen ist froh, wenn er nicht mehr ständig Bissap (Hibiskusblüten-Getränk) trinken muss. 🙂

 

 

Nouakchott – Diama, 14.7.-17.7.15

Wir verabschieden uns von Mareike und Andreas und brechen Richtung Senegal auf. Die Landschaft verändert sich: es wird hügeliger und es wachsen sogar Bäume 🙂 Wir hören Vögel zwitschern und merken erst, dass uns das gefehlt hat. Die Gegend ist dichter besiedelt und wir fahren oft durch kleine Dörfer. Dies hat zur Folge, dass wir den ganzen Tag vom Rufen der Kinder begleitet werden. „Monsieur, Madame, donne moi une cadeau, donne moi une stilo“ tönt es ständig hinter uns her. Einer wills gleich wissen und will statt einem Kugelschreiber gar 50 Euro haben…
Wir übernachten wieder bei den Polizeicheckpoints, da wir nicht wieder eingesammelt werden wollen 🙂 Es ist interessant, dass uns von den Polizisten immer wieder erklärt wird, was für ein sicheres Reiseland Mauretanien ist, wir aber trotzdem unbedingt bei ihnen schlafen müssen… nun ja, wir haben uns immer sicher gefühlt, auch wenn wir mal nicht in der Obhut der Gendarmerie waren. Bei einem Checkpoint werden wir zum Essen eingeladen: es gibt Datteln, Milchsuppe, Kamel- und Ziegenmilch und dann noch einen Fleisch-/Kartoffeleintopf.

Kurz vor der Grenze zum Senegal beginnt der Parc National Diawling. Uns wurde gesagt, die Strasse sei zum Teil sehr schlecht. Wir wagen uns trotzdem hinein und sind eher positiv überrascht. Die meiste Zeit gehts ziemlich gut und wir können den Wellblech- und Sandstellen ganz gut ausweichen. Als wir Mittagsrast machen kommt plötzlich ein gelber Toyota Hilux angefahren: Mareike und Andreas! Und sie haben sogar eine kühle Cola und einen Icetea für uns dabei – super, herzlichen dank! 🙂 Wir plaudern ein wenig und sie fahren weiter. Wir wollen uns nochmals etwas hinlegenlegen bis die ärgste Hitze vorbei ist. Da hören wir ein Rascheln uns sehen auf der anderen Seite des Weges, nur wenige Meter entfernt, ein Warzenschwein mit ihrem Jungen. Sie verschwinden gleich wieder hinterm Gestrüpp und wir warten gespannt, ob sie nochmals auftauchen. Pötzlich quickt es hinter uns und das Warzenschwein steht nur ca. 3 Meter hinter uns und beäugt uns skeptisch. Es entfernt sich bald wieder etwas und kommt noch einige Male ziemlich nah an uns heran – zu nah für unseren Geschmack. Wenn man auf dem Boden sitzt, wirken sie auf einmal doch recht gross… 🙂 Es scheint ihm nicht zu gefallen, dass wir hier sitzen. Als es sich dann etwas länger nicht mehr zeigt, beschliessen wir weiterzufahren. Auf dem Weg bis zum Grenzposten in Diama sehen wir noch viele weitere Warzenschweinfamilien. Auf dem Velo sitzend scheinen sie aber mehr Angst vor uns als wir vor ihnen zu haben. 🙂

Gegen Abend kommen wir an der Grenze an und übernachten da. Es ist herrlich, das Wasser des Senegalflusses zu sehen, nach der ganzen Zeit in der Wüste. Gerade als wir fertig gegessen hatten, kommen tausende von Mücken und schwirren um uns rum – wahnsinn, sowas haben wir noch nie gesehen! Wir flüchten ins Zelt und wagen uns erst am Morgen wieder hinaus, als das Surren draussen etwas abnimmt. Und dann gehts ab in den Senegal. 🙂

El Mareny de Barraquetes – Tarifa, 16.5. – 7.6.15

Wir haben mit unserem Material zu kämpfen: Meios Pedallager ist bereits hin, Livias Veloständer ist abgebrochen, unser Solarpanel hat den Geist aufgegeben und der Bildschirm des Tablets ist gebrochen. Die ersten beiden Defekte lassen sich unkompliziert hier vor Ort regeln, zumal Livias Veloständer direkt vor einem Veloshop abbricht. 🙂 Auf das Solarpanel wolllen wir nicht verzichten und etwa vergleichbares ist hier in Spanien nicht zu finden, daher beschliessen wir, uns ein neues schicken zu lassen. Wir lassen es uns auf einen Campingplatz in Aguilas schicken, wo wir einige Tage später sein werden. Auf dem Weg nach Aguilas machen wir Bekanntschaft mit anderen Fernradlern. Unter anderem mit Tyson aus San Diego, der auch nach Afrika unterwegs ist und den Kontinet gar umrunden will.Radlerkollege Tyson aus San Diego fährt auch nach Afrika
Ansonsten führt uns der Weg durch schöne, hügelige Landschaften, die zunehmend trockener werden. Morgens sehen wir oft Hasen und hie und da auch mal eine Schlange, die sich am Strassenrand aufwärmt.


In Aguilas warten wir bis das Päckli kommt und vertreiben uns die Zeit mit baden und schnorcheln in den zahlreichen schönen Buchten in der Gegend.


Nach 10 Tagen ist das Päckli immer noch nicht da – und es wird auch nicht mehr kommen. Es wird vom Zoll in Madrid, wo es seit einigen Tagen liegt, wieder zurück nach Hause geschickt. Der spanische Zoll hätte eine Identitätsnachweis des Empfängers gebraucht, um das Päckli weiterzuschicken. Da aber laut Zoll angeblich Livias Name nicht als Empfängerin auf dem Päckli angegeben war, sondern nur der des Campingplatzes, konnten wir diesen ID-Nachweis nicht einreichen, dies hätte der Campingplatz machen müssen. Die Besitzerin des Campingplatzes war jedoch nicht bereit dazu. So blieb nur noch die Retournierung übrig. Also müssen wir nun ohne Solarpanel auskommen – zumindest bis Marokko, wo uns Sophie (Meios Oma) besuchen kommt und unser neues Solarpanel gleich mitbringt. 🙂

Nach der Zwangspause in Aguilas stürzen wir uns freudig wieder in unseren Fahralltag und geben gleich richtig Gas. In nur 6 Tagen erreichen wir Tarifa (582 km). Es sind 6 kurzweilige Tage: schöne Landschaften, viele Höhenmeter (ja, Europas Süden ist durchaus bergig, 15´150 Höhenmeter Anstieg haben wir bisher überwunden), wild campen, vorbei an Almerias Gewächshausmeer, viele Schnellstrassenkilometer (mangels sinnvollen Alternativen), unsere erste Reifenpanne und erstmals richtig schmerzende Hintern.


Bevors nun endlich nach Afrika geht, verbringen wir zwei Tage in Tarifa. Nebst Veloservice und „Hausputz“ soll auch das Vergnügen nicht zu kurz kommen: wie nehmen an einer Wal- und Delfinbeobachtungs-Tour teil. Delfine und Grindwale sind hier das ganez Jahr über anzutreffen. In den Sommermonaten halten sich ausserdem Pott,- Schwert- und Finnwale auf. Die nahrungsreichen Gewässer der Strasse von Gibraltar bewegen die Tiere dazu, sich hier aufzuhalten, oblwohl sie sonst viel befahrene Gewässer eher meiden (gut 300 Schiffe verkehren hier täglich!). Wir konnten einen Pottwal und eine Gruppe Delfine beobachten.

 

 

Monaco – Les Saintes Maries de la mer, 20. – 24. April 2015

Von Monaco aus geht es weiter nach Istres, Arles und schliesslich nach Les Saintes Maries de la mer. Besonders die Strecke von Arles nach Saintes Maries ist sehr schön. Wir fahren abseits der Hauptsrasse durch weite Landschaften, sehen weisse Pferde, schwarze Stiere, das Meer und Flamingos – ja, wir sind in der Camargue.
In Saintes Maries de la mer angekommen, führt uns unser Weg gleich zum Bureau de Poste um unser Päckli abzuholen. Leider ist es noch nicht da. Die freundliche Postangestellte schaut uns aber gleich nach, wo es ist und wann es kommen sollte. Dabei stellt sich heraus, dass es durchaus bereits in Frankreich ist, und auch in Saintes Maries, jedoch in Sainte Maries (ohne „les“) bei le Barcares im Bezirk Pyrenees-Orientales und nicht in Les Saintes Maries de la mer im Departement Bouches-du-Rhone, wo wir uns jetzt aufhalten … was für ein Ärger! Da muss Livia wohl beim Adresse raussuchen mit den Postleitzahlen durcheinander geraten sein … Dank der Hilfe der netten Dame am Schalter, können wir veranlassen, dass es hier nach Les Saintes Maries geschickt wird – es sollte Samstag hier sein 🙂

Wir bleiben also einen Tag länger in Les Saintes Maries und geniessen die schöne Landschaft und das Meer und nutzen die Zeit für Velowartung und Wäsche waschen.